#4 Sehnsucht nach der Ukraine

Welcome back 🇺🇦

Samstag, 11.09.2021 

 

Am Grenzübergang in Sighetu Marmației handelt es sich um einen wirklich kleinen Grenzübergang, der auch nur für PKWs < 3,5t zugelassen ist, alternativ natürlich für Motorräder oder Fahrräder. Oder man kann auch zu Fuß hier über die Grenze gehen. Der Übergang liegt mehr oder weniger direkt im Ort und wird eher für den kleinen Grenzverkehr genutzt. 

 

Auf rumänischer Seite stehen drei PKWs vor uns und einige Fussgänger. Der Beamte kontrolliert unsere Dokumente, wirft einen kurzen Blick in unser Womo, freut sich über Vanja und in einer Viertelstunde sind wir abgefertigt. Über eine sehr schmale Brücke geht’s einmal über die Theiß und schon stehen wir in der Schlange für die Einreise in die Ukraine. Als wir dran sind, werden sowohl unsere Covid-Versicherung als auch unser Impfstatus kontrolliert. Letzteres wieder mit per Covpass -App. Sehr praktisch. Und zack, kaum eine Stunde später, sind wir auf der anderen Seite :-)

 

 

Direkt auf den ersten Kilometern fühlt es sich bestens wieder über ukrainische Straßen zu gondeln. Und jetzt geht’s auch erst mal wieder schnurstracks zurück in den Osten, allerdings nur so 30 Kilometer, so weit wie die Landstraße dem Flusslauf der Theiß folgt. Die Theiß ist hier übrigens nicht so wirklich breit und somit vermutlich theoretisch einfach zu überwinden. Aber nur theoretisch, denn zusätzlich ist ordentlich Stacheldraht zwischen Straße und Fluss. Dazu patrouillieren in gewissen Abständen Grenzsoldaten mit ihren Hunden. Tja, das stellen wir uns schon irgendwie doof für die Bewohner entlang der Landstraße vor. Da wohnt man direkt an einem Fluss und könnte Angeln gehen und dann ist da leider eine Grenze. Wir hingegen genießen die hübsche Landschaft, kaufen am Straßenrand ein großes Glas Preiselbeeren und freuen uns wieder in der Ukraine zu sein.

 

Wir verlassen die Strecke an der Theiß und biegen nach Norden ab. Wir befinden uns jetzt im Biosphärenreservat Karpaten, eines der größten Naturschutzgebiete in der Ukraine. Die charakteristischen Buchenwälder sieht man schön links und rechts der Straße.

 

Biosphärenreservat Karpaten

WebseiteWikipedia

--> Wir sind unten rechts auf der Landkarte unterwegs 

 

Unterwegs kommen wir an einem der Mittelpunkte Europas vorbei, wovon es ja irgendwie diverse in Europa gibt (und dazu auch noch Mittelpunkte der EU, aber in der sind wir ja nicht). Dieser hier im Örtchen Dilowe wurde bei Vermessungsarbeiten für den Bau der Eisenbahnlinie Ende des 19. Jahrhunderts ermittelt. Heute befinden sich hier zahlreihe Souvenirbuden. 

 

Geographischer Mittelpunkt Europas in Kruhlyi / Dilowe 

WikipediaGoogleMaps

 

Auf den ersten Blick hat es, wie erwartet, wenig mit einem idyllischen Örtchen zu tun. Wir sind allerdings doch recht überrascht, was hier oben angelegt wurde. Und so kommen wir an einem riesigem Hotel nach dem anderen vorbei, dazwischen wird gefühlt an allen Ecken gebaut. Wir folgen der Beschilderung zum Parkplatz vom Hutsul Land, einem kleinen Freilichtmuseum mit Streichelzoo, welcher eher am Ortsrand und dazu an dem großen See liegt. 

 

Wintersport-Resort Bukovel

Wikipedia russisch/englischWebseite, GoogleMaps (Parkplatz am Hutsul Land)

 

 

Wir parken auf dem großen Schotterparkplatz, der nicht ansatzweise voll ist aber auch nicht wirklich leer. Und wir sehen hier das erste Wohnmobil auf unserer Tour durch die Ukraine. Es gibt doch noch andere außer uns. Als erstes geht’s jetzt für mich ins Hutsul Land. Direkt am Eingang zeigt sich, dass wir hier in einem doch etwas höherpreisigem Tourismusgebiet sind. 6,50 Euro Eintritt ist schon ganz schön happig, ohne Futter. 

 

Zwischen den alten Bauernhof-Gebäuden gibt es zahlreiche Ziegen, Schafe und zwei prächtige Hochlandrinder, welche gefüttert werden wollen. Letztere strecken direkt ihre Zunge raus und warten nur darauf, dass ein Besucher Leckerchen darauf ablegt. In weiteren Gehegen gibt es noch farbenprächtiges Federvieh und auch Kaninchen sind hier zu finden. Im oberen Bereich des Geländes gibt es noch ein Restaurant und einige Souvenirshops. Alles in allem recht nett gemacht. Und wer, wie wir vorher noch nichts von den Huzulen gehört hat, guckt mal hier bei Wikipedia.

 

Hutsul Land Bukovel

WebseiteGoogleMapsEintritt 200 UAH (6,50 €)

 

 

Später gehen wir eine Runde spazieren. Für den Beachservice am See ist die Saison anscheinend schon vorbei, also nichts mit Liegen und Sonnenschirmen ausleihen, dafür muss man unten am Seeufer aber auch keinen Eintritt bezahlen. Auf halber Höhe kehren wir in der „Terrace Bar“ ein, von der man einen guten Blick über den See hat. Dazu ist die Toilette wirklich sehenswert ;-)

 

Als der Parkplatz später fast leer ist, stellen wir uns schön in die erste Reihe mit Seeblick. Vorher hatten wir noch kurz die Parkplatzwächter gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn wir über Nacht bleiben und klar, kein Thema. Wir genießen den Sonnenuntergang noch draußen, verkrümeln uns dann aber fix nach drinnen. Wir hatten ja eh schon festgestellt, dass es nachts schon ganz schön frisch wird, auf 900 Metern Höhe macht sich das aber natürlich erst recht bemerkbar. 

 

Über Nacht in Bukovel


Auf zum Ostereier-Museum

Sonntag, 12.09.2021 

 

Wir haben gut auf unserem Parkplatz in Bukhovel geschlafen. Außer uns ist nicht nur das ukrainische Wohnmobil über Nacht geblieben, sondern auch noch ein Kombi. Aus diesem kommen früh morgens drei jüngere Gestalten herausgekrabbelt, die sich über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen freuen. Wir übrigens auch. 

 

 

Weiter ging es dann heute gen Norden. Im rund 40 km entfernten Jaremtsche legen wir eine kurze Pause ein. Dort befindet sich nun das letzte Miniaturmuseum auf unserer Tour. Am Ende einer ziemlich holprigen Straße liegt das "Carpathians in miniature" Museum, ganz niedlich gemacht, die Anzahl der Exponate ist allerdings wirklich überschaubar. 

 

Museum "Carpathians in miniature" in Jaremtsche

GoogleMaps, Eintritt: 1€ 

 

Von dort fahren wir nach Kolomea um das dortige Ostereier Museum zu besuchen. Eigentlich wollten wir dort schon auf dem Hinweg bzw. auf dem ersten Teil unserer Tour Halt machen. Irgendwie hatte es sich da aber so ergeben, dass es ein Montag war und dieses Museum halt montags Ruhetag hatte. Und somit ist es um so schöner, dass es jetzt klappt. Im etnografischen Museum in Lwiw konnte ich ja bereits in einem der alten Bauernhäuser die Malkunst kennenlernen und jetzt bin ich mal gespannt. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, sieht schon mal witzig aus, ist quasi ein sehr großes Osterei mit Anbau. Im Inneren gibt es, wie erwartet, zig reich verzierte Eier anzuschauen. 

 

Pysanka Museum in Kolomea

Webseite, Google MapsEintritt: 1€

 

 

Wir gondeln langsam weiter grob gen Norden, auf der Suche nach einem netten Übernachtungsplätzchen. Irgendwie scheint heute dann doch der Tag zu sein, an dem wir irgendwie nicht so recht fündig werden. Erfahrungsgemäß gibt es solche Tage auf unseren Osttouren übrigens immer, und es kommt dann so, wie es auch schon früher kam, wir sind fahren und gucken, fahren weiter und hätten beinahe für 30 Euro auf einer Touri-Anlage übernachtet, aber Vanja war als Hund dann doch zu groß. 

 

Irgendwann beschließen wir einfach wieder nach Lwiw zu fahren, da hat’s uns ja gut gefallen und wir kennen einen passenden Übernachtungsplatz :-)

 

Wieder zurück in Lwiw


Ein Tag in Lwiw

Montag, 13.09.2021

 

Wir bleiben einfach noch einen Tag hier, es ist wirklich nett hier in Lwiw. Und so schlendern wir durch die hübschen Gassen und genießen das Flair. 

 

 

Nachdem wir gestern Abend in einem anderem Restaurant als beim letzten Mal etwas enttäuschende Rippchen gegessen haben, wollen wir heute mal koreanisch essen gehen. Mag den ein oder anderen verwundern, ist aber irgendwie so ein Steckenpferd von uns. Da es bei uns Zuhause leider keinen Koreaner in der Nähe gibt, gehen wir gerne unterwegs mal koreanisch essen. Und so laufen wir einmal quer durch die Stadt und werden prompt klatschnass. Der angekündigte Regen ist nun doch irgendwie da und so flüchten wir uns mal fix ins Restaurant. Na gut, so ganz typisch koreanisch ist es vielleicht nicht, aber lecker war es und das Personal sehr bemüht mit uns.

 

Für den Rückweg entscheiden wir uns erstmals Taxi zu fahren. Hier in Lwiw gibt es nicht nur E-Scooter vom Anbieter Bolt sondern auch Taxis, die einfach per App zu bestellen sind und das ganze ohne Sprachkenntnisse. Abhol- und Zielort einfach auf der Karte auswählen und warten, dass das angekündigte Fahrzeug kommt. Klappt bestens. Pavel ist sympathisch und lenkt uns durch das staulastige Lwiw – bei Starkregen scheint hier noch mehr los auf der Straße zu sein. Wir entdecken ein paar Straßen weiter noch eine Markthalle im Hinterhof, sehr nett. Im Schaufenster einer Buchhandlung sehen wir ein Wanderführer für die Karpaten und das sogar auf Englisch. Gibt es vermutlich inzwischen ja auch alles online, aber wer sich ganz gerne durch in Büchern beschriebene Routen inspirieren lässt, für den ist’s ja vielleicht ganz spannend dieses zu besorgen.

 

Titel: Trails of Carpathians 

Autor: Oleg Yamalov

ISBN: 978-966-03-8763-8

 


Unterwegs gen Westen

Dienstag, 14.09.2021

 

Nach zwei netten Tagen in Lwiw geht’s heute Vormittag mal wieder Richtung Landesgrenze. Für unsere heutige Ausreise aus der Ukraine nehmen wir den „großen“ Grenzübergang Krakowiec 🇺🇦 / Korczowa 🇵🇱 vor. 

 

Bereits zig Kilometer vor der Grenze stehen die LKWs dicht an dicht in einer Schlange am rechten Straßenrand. Puuh, das dauert bestimmt bis die auf der anderen Seite der Grenze sind. 

 

Durch die ukrainische Seite sind wir angenehmerweise in 20 Minuten durch, alles freundlich und ordentlich. Und dann heißt es erst einmal warten.

 

Wie es weiter geht, lest ihr im nächsten Teil unseres Reiseberichts 😊



Mit ♥ für euch geschrieben