Zur Expo nach Astana

Von Bischkek nach Almaty

Tag 40 – Mittwoch, 28.06.2017

 

Heute früh um 7 Uhr klopft es. Fünf nicht allzu freundlich dreinschauende Polizeibeamte stehen vor der Tür und sind der Meinung dass wir hier nicht stehen dürfen. Das kostet Strafe. Puuh, ein klingelnder Wecker ist dagegen morgens echt angenehmer.

 

Also verschlafene Unschuldsmine aufsetzen und eine bereits inzwischen aus Erfahrung nicht wirklich sinnvolle Diskussion über die Höhe unsere Strafe führen. Ohne Kaffee vorab gar nicht so einfach. Diverse Entschuldigungen unsererseits und einige Zeit später, bekommen wir unsere Pässe zurück. Puuh Nr. 2!

 

Fix packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns abreisebereit. Das  können wir ja inzwischen wirklich im Schlaf. Nur unser Womo schläft anscheinend noch, denn unsere elektrische Trittstufe lässt sich nicht mehr einfahren. Wir könnten natürlich mit ausgefahrener Stufe losfahren, müssten dann lediglich aufpassen und rund dreißig Zentimeter seitlichen Abstand halten. Also nicht viel mehr als unser Spiegel breit ist. Dummerweise hat sich irgendwer überlegt, dass man das nicht machen soll und so ertönt ein nervtötender Ton sobald man den Motor startet. Also keine Lösung.

 

Unter Beobachtung von fünf Paar Polizistenaugen heißt  es also nun Trittstufe auseinander bauen. Entweder haben sie jetzt Mitleid mit uns oder sonst nichts zu tun, denn plötzlich sind sie doch sehr bemüht und wollen gleich mit anpacken. Natürlich alle gleichzeitig. Das macht das Ganze allerdings nicht wirklich einfacher, denn nun muss man glatt aufpassen nicht noch einem kirgisischen Polizisten mit dem Hammer auf die Finger zu hauen. Gefühlte Stunden später dann Puuh Nr. 3 diesen Morgen! Die Trittstufe bewegt sich in ihr Häuschen und wir können los.

 

Bei unserer Fahrt raus aus der Stadt kommen wir an einem großen Markt vorbei und gehen erst einmal eine Runde gucken und besorgen uns Frühstück. An allen Ecken gibt es Pfannkuchen mit einer Cremefüllung. Lecker! Wir sind allerdings wohl ein wenig zu früh unterwegs, denn die meisten Stände haben noch gar nicht geöffnet. Das erklärt, warum wir so einfach einen Parkplatz bekommen haben. Dafür hatte heut früh aber die Hauptpost bereits geöffnet.

 

Morgens in Bischkek 

Von Bischkek aus fahren wir zur kirgisisch-kasachischen Grenze nach Kordai. Diese ist nur 25 km entfernt und anscheinend gerade nicht viel los. Am ersten Stoppschild werden kurz unsere Ausweise angeschaut und geklärt dass wir kein Bus sind sondern tatsächlich mit dem Auto das Land verlassen wollen. Dann heißt es am nächsten Schlagbaum warten, nur Jens darf schon mal Beifahrer zu Fuß weiter. Es scheint sich hier übrigens um einen reinen PKW-Grenzübergang zu handeln, von LKWs ist nichts zu sehen. Sowohl die kirgisische als auch die kasachische Kontrolle erfolgt extrem schnell und läuft wie bereits bekannt ab, erst Passkontrolle und dann Zollkontrolle. Alle sind sehr freundlich. Lediglich wird bei meiner Passkontrolle auf der Immigrationskarte der zweite Stempel vergessen (die „Registrierung“), aber dank eines weiteren freundlichen Beamten ist dieser auch noch schnell besorgt. Da war jetzt sowohl die Einreise nach als auch die Ausreise aus Kirgistan echt einfach. Kein Vergleich zu unserem kasachisch-uzbekischen „Drama“!

 

Kasachstan begrüßt uns mit einer gut ausgebauten Landstraße nach Almaty und regnerischem Wetter. Auf ein paar Abschnitten der A2 werden zwar gerade Ortsum-gehungen gebaut, alles in allem lässt es sich hier aber auch so gut fahren. Almaty war bis vor zwanzig Jahren Hauptstadt von Kasachstan, bevor diese nach Astana nach Norden in die Steppe verlegt wurde. Rund 1,7 Millionen Einwohner hat die Stadt und dement-sprechend stehen wir auch erst einmal im Stau. An die etwas knubbelige Fahrweise bei der aus drei offiziellen Spuren auch gerne mal fünf werden haben wir uns ja schon auf unseren Moskaureisen gewöhnt.

 

Unterwegs nach Almaty 

Erstes Ziel in Almaty ist heute der Mercedes Händler „Blue Star of Kazakhstan“ (http://www.kazbluestar.com). Wir wollen hier unsere undichte Achsmanschette tauschen lassen. Das Autohaus sieht Mercedes typisch wie bei uns aus, großer Glaspalast und dahinter ein freundlicher Empfang. Wir schildern kurz unser Anliegen und dürfen Platz nehmen. Innerhalb weniger Minuten kommt ein englischsprechender Mitarbeiter dazu, wir gucken uns gemeinsam unseren Indy auf dem Parkplatz an und haben für den nächsten Morgen einen Termin zum Tausch der Manschette. Klasse!

Unsere spontane Idee im Hotel zu übernachten, scheitert leider an unserem vierfüßigem Begleiter, obwohl sich die netten Damen am Empfang echt Mühe beim Abtelefonieren der Hotels gegeben haben. Schade, aber das kennen wir ja inzwischen schon. Und so übernachten wir direkt vor der Tür und unser Ansprechpartner kommt morgen früh um 9 Uhr klopfen. Auch prima. Nur gut, dass auf den Eisenbahnschienen nebenan kein reger Verkehr herrscht.

 

Besuch bei Blue Star of Kazakhstan 

Den Abend verbringen wir dann in unserem Viertel. Dieses Wohnviertel ist geprägt von meist einstöckigen Gebäuden, ein paar Geschäfte und kleinere Restaurants. Zwischendurch kommen wir an einem Volvohändler (schon mal merken, falls wir mal mit unserem PKW hierhinfahren) vorbei und besuchen eine kleine Holzkirche, welche im Schatten eines großes Kirchenneubaus liegt. Dazu wieder die im ganzen Land verteilte Expo-Werbung. Keine Ahnung wie viele Quadratmeter Plakate in diesem riesigen Land verteilt sind, es werden aber ganz schön viele gewesen sein. Zum Abschluss gehen wir im Restaurant Mannam koreanisch essen. Sehr lecker! Zu finden hier: Korean Cafe Mannam, Bogdan Khmelnitskiy Street, Almaty (ca. 10 min von Mercedes entfernt).

 

Viertelrundgang in Almaty


Werkstattbesuch in Almaty

Tag 41 – Donnerstag, 29.06.2017

 

Den heutigen Tag verbringen wir damit uns im Umkreis von Mercedes die Zeit zu vertreiben. Erst einmal natürlich Autos gucken. Wie auch in Russland wird in Kasachstan das Vorgängermodell unseres Sprinters als „Sprinter Classic“ verkauft. Die hier stehenden Transporter, welche in Nischni Novgorod in Russland gebaut werden, sind als 311 CDI ab ca. 30.000 Euro zu haben. Damit sicherlich deutlich günstiger als das aktuelle Modell, aber auch kein wirkliches Schnäppchen.

 

Der Markt gegenüber hat geöffnet und auf der Ecke befindet sich eine Snackbar, in der wir uns ein leckeres Mittagessen besorgen. Neben dem Mercedeshändler gibt es außerdem noch einen großen Park. Ideal um mit Vanja spazieren zu gehen. Dazu gehen wir noch weiter durch das Wohnviertel spazieren. Hinter den hohen Zäunen sind die Häuser nicht wirklich klein, vermutlich eher eine wohlhabende Wohngegend hier. Dazu hat anscheinend jedes Grundstück mindestens einen Wachhund und so werden wir in jeder Straße schon durch lautstarkes Bellen begrüßt. Ein wenig anstrengend für unsere Ohren.

 

Alles in allem hat der Mercedeshändler eine super Lage für uns. Was ein Glück. dass wir nicht mitten in einem Industriegebiet gelandet sind!

 

Rings um Blue Star of Kazakhstan

Gegen 17 Uhr kommt unser Indy aus der Werkstatt gefahren. Bevor wir ihn wieder bekommen wird erst noch eine Probefahrt und Jens darf sich mit unseren beiden Betreuern noch die ausgebauten Teile zeigen lassen. Die ganze Autogeschichte ist hier übrigens reine Männersache, ich hingegen bekomme dafür Kaffee und kalte Getränke serviert. Die Reparatur kostet uns umgerechnet 280 Euro, inklusive neuen Scheiben-wischern, was in etwa dem Preis zu Hause entsprechen würde. Die Ersatzteile sind hier einfach deutlich teurer als bei uns, dafür der Arbeitslohn geringer.

 

Alles in allem sind wir wirklich begeistert unserem Werkstattzwischenstopp. Mit dem tollem Service  und der unkompliziertem Reparatur hatten wir nicht gerechnet. Das war wirklich klasse!

 

Zum Abschied bekommen wir noch eine kasachische Landesflagge, die ab sofort mit uns mitfährt!

Wir fahren nun noch in die Stadt rein und finden nach einer etwas längeren Suche doch noch einen passenden Parkplatz. Der Wachmann ist sich etwas unsicher, ob er seinen Parkplatz  einfach so als Übernachtungsplatz anbieten kann. Anscheinend handelt es sich um einen Firmenparkplatz, wobei die Mitarbeiter alle gerade in den Feierabend verschwinden. Über Nacht also ein leerer Parkplatz. Als Kompromiss bieten wir an, dass wir morgens nicht allzu lange bleiben. Geht doch! Auf ein Weiteres im Kreis fahren hatten wir definitiv keine Lust mehr. Und dazu liegt der Parkplatz auch noch super und nicht weit vom kleinen Museum für Volksmusikinstrumente liegt. In diesem sind diverse alte Zupf- und Blasinstrumente aus Kazakhstan und den umliegenden Ländern zu sehen. Die Ausstellung ist hübsch aufbereitet und die Beschriftung der Exponate sogar auf Englisch. Gerade läuft auch noch ein kleines Konzert der Ethnofolk-Gruppe HasSak, so dass sich jeder den Klang der ausgestellten Instrumente vorstellen kann. Wirklich klasse!

  

Museum für Volksmusikinstrumente

https://en.wikipedia.org/wiki/Kazakh_Museum_of_Folk_Musical_Instruments

http://dostoprim.almaty.kz/page.php?page_id=172&lang=2&article_id=629

 

Museumsbesuch

 

Hinter dem Museum liegt mitten in einem großen Park die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, laut Wikipedia das zweitgrößte hölzerne Bauwerk der Welt. Dies ist allerdings nur von innen zu sehen und abends ist die Kathedrale leider abgeschlossen. Also genießen wir ein wenig das quirlige Parkleben bis die Sonne untergeht. Bei der Pizza-Kette Dodo wollen wir uns gern noch eine Pizza kaufen (wir wohnen in der Dodostraße und fanden das irgendwie witzig), leider gibt es heute Abend keine Pizza „Dodo“ mehr und somit landen wir in der Pizzeria Mia nebenan. Die Kellner waren bemüht, allerdings doch sehr wirr. Und das lag aus unserer Sicht nicht wirklich an der Sprache. Eher wusste der eine nicht was der andere tat, wir hatten dann aber doch irgendwann unsere Pizza und passenderweise auch zwei Getränke vor uns stehen.

 

Pizza Dodo in Almaty

https://dodopizza.kz/Almaty

 

Abends in Almaty 


Fahrt zum Sharyn Canyon

Tag 42 – Freitag, 30.06.2017

 

Nachdem die gestrige Parkplatzsuche hier in Almaty ja schon die einfachste war, nehmen wir Abschied von der Stadt und fahren zum Sharyn Canyon. Dieser liegt rund 200km öst-lich von hier. Die Landstraße dorthin ist gut ausgebaut. Auch hier sind Abschnitte bereits erneuert und führen nicht mehr direkt durch die  einzelnen Ortschaften.

 

Nach ca. 150 km kommen wir durch den Ort Baiseit. Hier steht eine Schaschlikbude neben der anderen am Straßenrand – leider haben wir gerade keinen Hunger. Wer hier allerdings mal lang kommt, kann sich diesen Ort schon mal für die Mittagspause merken. Es duftet hervorragend!

 

Die Straße schlängelt sich noch einmal durch ein paar Felsformationen und dann sind wir auch schon wieder in der Baumlosen Steppenlandschaft. Endlose Weite und dazu wieder glühende Hitze. So richtig vermisst hatten wir letzteres nicht wirklich. Die letzten zehn Kilometer zum Canyon geht es über eine fiese Schotterpiste, davor war aber alles schön asphaltiert. Für unser Womo und uns zahlen wir am Eingang des Nationalparks umgerechnet 4 Euro Eintritt und dürfen dann auf den ausgewiesenen Wegen zum Canyon fahren. Dieser ist  nicht zu verpassen, es sind schon genügend andere Ausflügler hier.

 

Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/Sharyn_Canyon

 

Besuch des Sharyn Canyons

Es ist bestimmt ganz malerisch hier zu übernachten, ein niederländisches Wohnmobil hat sich schon hübsch hingestellt, aber wir haben inzwischen gelernt dass uns nächtliche Hitze nicht gut bekommt. Und so fahren wir wieder zurück. In Turgen biegen wir in ein Tal Richtung Berge ab, zahlen an einer Schranke wieder Eintritt für den dortigen Ile-Alatau Nationalpark und suchen uns ein nettes Plätzchen zur Übernachtung. Auf einer Strecke von zwanzig Kilometern schlängelt sich die asphaltierte Straße entlang eines Flusses und man darf dort über Nacht auch bleiben. Allerdings gar nicht so einfach einen passenden Platz zu finden, denn die Parkbuchten zwischen Straße und Fluss sind relativ klein oder bereits belegt. Wir finden aber natürlich doch noch eine Ecke für uns und so genießen wir den Abend bei entspannten kühlen Temperaturen.

 

Übernachtung im Ile-Alatau Nationalpark


Tag 43 – Samstag, 1.07.2017

 

Heute geht es für uns in den Norden Richtung Astana, welches rund 1300 km entfernt liegt. Je nach Straßenverhältnissen wollen wir eine oder zwei Zwischenübernachtungen einlegen.

 

Die nächsten Stunden passiert nicht wirklich viel, wir sind wieder in der Steppe. Laut unserem Reiseführer sollte man sich damit beschäftigen Greifvögel zu zählen. Auf den 700 Kilometern des heutigen Tages sind es genau vier Stück. Passenderweise dazu zählen wir ebenfalls vier Sonnenblumen am Straßenrand, zwei Kamelherden und einen Salzsee.

 

Bis zum südlichen Ufer des großen Balkasch-Sees ist die Landstraße M36 teilweise in einem recht schlechten Zustand. Der Asphalt hat ordentlich Falten geworfen und wir holpern in den Spurrillen vor uns hin. Danach wird es allerdings deutlich besser. Ab und zu ist der See zu sehen, meistens führt die Landstraße aber doch in einiger Entfernung an ihm vorbei.  

 

Die Anzahl an Tankstellen und Raststätten ist auf der Strecke übrigens überschaubar. Kein Vergleich zu unsere Hinfahrt in den Süden Kasachstans. Passend zum Sonnen-untergang erreichen wir die Stadt Balkasch, wo wir auf einem Motelparkplatz über-nachten. Das zugehörige Restaurant ist einfach, aber wieder einmal gibt es leckeres Essen.

 

Fahrt von Turgen nach Balkasch


Tag 44 - Sonntag, 2.07.2017

 

Gut ausgeschlafen machen wir uns auf den Weg ins 600 km entfernte Astana. Auf der Strecke kommen wir durch die Großstadt Karagandy, die viertgrößte Stadt Kasachstans und ein bedeutendes Industriezentrum. Ähnliches gilt für die benachbarte Stadt Temirtau. Dort hat der Stahlkonzern ArcelorMittal einen großen Standort von dem wir im Vorbeifahren die qualmenden Schornsteine sehen.

 

Irgendwo im Nirgendwo der Steppe legen wir dann noch unseren 15.000 Kilometer auf der Tour zurück. Waoh, da sind wir ganz schön weit schon gekommen!

 

Unterwegs nach Astana

 

Weiter geht's dann quasi immer geradeaus. Alles in allem ziemlich unspektakulär. Kurz vor Astana gibt es mal wieder eine Polizeikontrolle. Irgendwo hier ist die Stadtgrenze und so wird vermutlich kontrolliert wer denn so in die Stadt hinein oder wieder hinaus fährt. Wie erwartet werden wir rausgewunken und dürfen einmal mehr unsere Papiere vor-zeigen. Die Beamten heißen uns herzlichen Willkommen in Astana und sind über-raschend freundlich. Es wird sich sogar erkundigt, ob wir wissen wie wir zum Aus-stellungsgelände kommen. Ein wenig haben wir den Eindruck, dass die Polizisten hier einen Crashkurs in Freundlichkeit bei Fahrzeugkontrollen erhalten haben. Bemerkens-wert ist es auf jeden Fall.

 

Bereits von weitem ist die zentrale Glaskugel der Expo sichtbar und so steuern wir direkt das Ausstellungsgelände an. Wir folgen der breiten Straße am Flughafen vorbei uns sind kurz drauf schon da. Beim großen Shoppingcenter biegen wir auf den riesigen, kaum belegten Parkplatz ab. Das sind mal neue Dimensionen hier. Ein wenig irritierend. Der Parkplatzwächter hat nichts dagegen, dass wir über Nacht bleiben. Damit haben wir nicht gerechnet. Sicherheitshalber befragen wir noch die Polizisten und bekommen die gleiche Antwort. Und wir werden wieder herzlichen Willkommen geheißen. Sehr freundlich hier!

 

Den restlichen Tag verbringen wir mit einer ersten Kurzerkundungstour der Expo und in dem nebenan liegenden Silkway-Shoppingcenter. Beides erstaunlich groß! 

 

Übernachtung am Expo-Gelände

 

Spät abends können wir von unserem Parkplatz aus die Lichtshow über der Glaskugel anschauen. Schick gemacht und ein verdammt cooles Gefühl tatsächlich hier zu stehen!!

 


Besuch der Expo 2017 in Astana

 Tag 45 -  Sonntag, 2.07.2017

 

Wir haben Glück und es ist heute morgen noch nicht so heiß, so dass wir Vanja erst einmal alleine lassen können und uns gemeinsam die Expo angucken können. Wir tauschen unser vor einem dreiviertel Jahr gebuchtes Online-Ticket in ein Tagesticket um und schon stehen wir auf dem Expogelände. Die Länderpavillons sind einmal im Kreis rings um die Glaskugel „Nur Alem“, dem Symbol der Expo, angeordnet und diese laufen wir jetzt mal ab.

 

Im Deutschen Pavillons führen Linien auf dem Boden zu den verschiedenen Stationen Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie. Dazu gab's einen kleinen Datenstick mit dem man an den Stationen verschiedene Aktivitäten aktivieren konnte. Dass wir dabei auch Punkte sammeln, hat nur einer von uns beiden kapiert. Wirklich eine gut gemachte Ausstellung!

 

Es ist schon spannend wie unterschiedlich die Herangehensweise an das Thema der Expo2017 "Future Energy" der verschiedenen Länder war. Österreich setzt z. B. auf gemeinsames Handeln bzw. Strampeln auf Fahrräder, eine coole Idee um zu zeigen dass der Klimawandel nicht von Einzelnen erreicht werden kann. Die Schweizer überzeugen durch die beste Kleidung, China ist doch grüner als gedacht und in Serbien aktiviert man im Vorbeigehen einen Fluss. Russland hat einen Eisblock aus der Arktis perfekt in Szene gesetzt und dessen 4 m dicker Durchmesser lässt sich mit einem mit Atomkraft betriebenen Eisbrecher durchschneiden.

 

In der Kugel "Nur Alem", dem kasachische Pavillion, gibt es nicht nur eine umfassende Ausstellung über die verschiedenen Energiethemen sondern die Besucher werden mit einer toll illuminierten Aufzuganlage gleich in die 8. Etage gebracht. Hier könnte man glatt einen ganzen Tag drin verbringen!

 

Unsere Highlights des Besuchs:

  • Lieblingspavillon Nr. 1 ist Österreich, denn nur gemeinsam lässt sich etwas ändern.
  • Sonderpreis Nr. 1 geht an Deutschland, perfekt durchdachtes Konzept und dazu noch der Bezug zum Austragungsland Kasachstan 
  • Ehrenpreis Nr. 1 vergeben wir an Kasachstan, der Umfang der Ausstellung  in der Kugel ist einfach nicht zu toppen!

Unser Expo Besuch

Zurück am Womo machen wir uns auf den Weg Richtung Russland. Rund 900 km liegen bis zum Grenzübergang hinter Kostanai wieder vor uns. Die Landstraße M36 lässt sich gut fahren und wir kommen gut voran.

 

Irgendwann wird der Himmel ringsherum immer dunkler, ein ordentliches Gewitter zieht auf. So viele Blitze haben wir selten gesehen! Ein wenig hoffen wir ja, dass unsere Landstraße uns in einem Bogen um das Gewitter ringsherum führt. Aber irgendwie tut sie das leider nicht und so stellen wir uns darauf ein, dass es gleich ordentlich scheppern wird. Während wir noch überlegen, was es hier wohl für Wetterphänomene gibt und ob wir nicht einen geschützten Parkplatz ansteuern sollten, fängt es an zu schütten. Kurz hinter einem Bahnübergang geht es dann richtig los, die Sicht ist gleich Null. Also nichts mehr mit Schritttempo voran schleichen oder so. Es hagelt und der Wind pustet so kräftig, dass wir das Gefühl haben wir rutschen langsam mitsamt unserem Wohnmobil von der Landstraße. Kein angenehmes Gefühl. Ehrlich gesagt haben wir ziemlich Schiss vor  dem was rings um uns herum passiert.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit wird es langsam heller und wir können wir die Straße vor uns erkennen. Es hagelt immer noch und der Wind peitscht über die Straße, aber es wird weniger. Irgendwann kommen uns dann langsam Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn entgegen. Mit  zitternden Knien machen auch wir uns langsam auf den Weg. Ein paar Kilometer weiter liegt ein LKW im Graben. Ein weiterer LKW ist bereits da, wir halten trotzdem und bieten unsere Hilfe an. Der Fahrer ist glücklicherweise wohlauf und organisiert schon die Bergung seines LKWs. 

 

Wir fahren weiter, es regnet immer noch ordentlich, aber es geht. Zumindest so lange bis es wieder stockduster wird. Sollten wir tatsächlich ein zweites Mal in so ein Unwetter geraten? Uns sitzt das gerade Erlebte ordentlich in den Knochen und so fahren wir ein wenig Zickzack. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit an derselben Stelle erneut einen fast Weltuntergang zu erleben? Wir beobachten die Wolken bzw. woher kommt der Wind. Irgendwie hilft dies alles nichts und wir entscheiden uns für Augen zu und durch. Und glücklicherweise ist es nicht so schlimm wie beim ersten Unwetter. 

 

Wir sind sehr erleichert viele Kilometer später die Sonne am Horizont wieder zu sehen. Uns fällt ein sehr großer Stein vom Herzen und sind froh euch weiter schreiben zu können. 

 

Erste Schadensbilanz: drei Risse und zahlreiche kleinere gesprungene Stellen in der Windschutzscheibe.

 

Kurz vor Aulieköl steuern wir den nächsten LKW-Parkplatz an und essen immer noch etwas fassungslos ein leckeres Schaschlik.

 

Unwetter kurz hinter Esil


Die letzten Kilometer bis zur russischen Grenze

Tag 46 – Dienstag, 4.07.2017

 

Wir wachen auf und die Sonne scheint. Nicht eine Wolke am Himmel deutet noch auf das gestrige Unwetter hin. Lediglich unser Wohnmobil sieht von außen doch ziemlich ge-sprenkelt aus. Es war ja fast damit zu rechnen gewesen, dass nicht nur unsere Wind-schutzscheibe Einschläge davon getragen hat! Der komplette vordere Teil von unserem Indy ist betroffen. Überall kleine Lackabplatzer. Oh, oh. Das wird teuer. Aber immerhin unsere Solarzellen auf dem Dach laden fleißig und nicht zu vergessen, wir leben noch. Es hätte also schlimmer kommen können.

 

Die 300 km bis zur russischen Grenze verlaufen ohne größere Zwischenfälle. Kurz bevor wir uns in die Fahrzeugschlange an der Grenze einreihen, tanken wir noch mal voll und kaufen mit unserem letzten kasachischen Geld allerlei Kleinkram an der Tankstelle. Die beiden Tankwarte haben auf jeden Fall ihren Spaß mit uns.

 

... Weiter geht's hoffentlich gleich auf der anderen Seite der Grenze ...

 


GPS Track - Zur Expo nach Astana



Mit ♥ für euch geschrieben