Georgien & Armenien

Unser Herbsturlaub in Georgien (nachzulesen unter Erkundungstour nach Georgien) hat uns gut gefallen uns so freuen wir uns schon sehr darauf erneut dorthin zu fahren. Anfangen werden wir in der Hafenstadt Batumi, unserem letzten Ziel am Schwarzen Meer. Von dort aus geht es dann ins Landesinnere und weiter ins Nachbarland Armenien. In beiden Ländern gibt es gefühlt hunderte von Kirchen und Klöster und so freuen wir uns auf das "alte Gemäuer".

 

Hier mal unsere geplante Route


Mittwoch, 31.05.2017

 

Heute Morgen geht es zunächst einmal wieder Richtung Türkei um dort die römische Festung Gonio zu besuchen. Die hatten wir gestern schon auf dem Weg rein nach Batumi gesehen und wollen wir uns heute Vormittag angucken. Von unserem Parkplatzwärter haben wir heute früh vorab schon erfahren, dass hoher Besuch aus Polen erwartet wird und deshalb überall die polnische Flagge weht. Das erklärt auch die hohe Polizeipräsenz auf der Straße.

 

Die Festung Gonio gehört zum heutigen Ausflugsprogram des polnischen und des georgischen Präsidenten (wie ich hier erfahre) und somit bleiben uns noch genau 15 Minuten Besuchszeit. An jeder Ecke steht nun auch ein Polizist und ich komme mir ein wenig vor wie in früheren Zeiten als sicherlich auch an jedem Turm eine Wache stand.

 

Besuch der Festung Gonio

Danach möchte ich unbedingt zu einer von weitem schon sichtbaren Kirche auf einem Hügel, bekomme in der Touri-Info schon mal den Namen raus, die Wegbeschreibung hingegen danach ist ein wenig kryptisch. Und so kommen wir nach diversen Schottenstraßen mit vielen Kühen und immer enger werdenden Gassen zum Schluss dass es auch nicht so wichtig ist sich diese Kirche anzuschauen. Vermutlich sind wir auch einfach nur falsch gefahren, denn die Hauptanfahrt wird es vermutlich nicht gewesen sein.

 

Unterwegs in und um Batumi herum

An der Uferstraße gen Norden kommen wir dafür an der Festung Petra vorbei. Diese ist deutlich weniger gut erhalten bzw. restauriert als Gonio. Dafür gibt’s aber auch weder Eintritt noch Polizeischutz. Die Ruinen liegen hoch oben über dem Meer und von oben hat man einen tollen Blick auf die nahegelegene schwarzen Strandbucht.

 

Besuch der Festung Petra

Wir fahren einmal quer durch Kobuleti, ein langgezogener Touristenort der gerade noch in seiner Saisonvorbereitung ist oder so sieht es doch recht verwaist aus. Zimmer gibt es dafür aber laut booking.com bereits ab 7 Euro die Nacht. Am Ende des Orts sehen wir ein Wohnmobil stehen und siehe da hier wird gerade der Campingplatz Raul in Kobuleti aufgebaut. Romeo, ein Schweizer der hier die Sommermonate verbringt, unterstützt bei der Kommunikation mit nicht georgisch oder russisch sprechenden Touristen und hat dafür auch gleich einen Vorplatz mit Sitzecke und Feuerstelle angelegt. Wir entscheiden uns über Nacht hier zu bleiben und nutzen gerne die große Wiese und dazu das Sanitärhaus. Letzteres ist zwar noch nicht ganz fertig, aber eine Dusche kann schon genutzt werden. Für uns ist es prima.

 

Später gesellt sich noch Sigi, ein Deutscher der hier in der Nähe eine Pension gerade aufbaut, dazu und so quatschen wir eine Runde. Später fahren wir noch rüber zu Sigis Haus und trinken Kaffee. Das Grundstück liegt nicht weit vom Meer und ist gefühlt riesig. Dazu ein hübsch angelegter Garten und überrankter Terrasse. Hier lässt es sich im Sommer sicherlich gut sitzen. Von außen ist das Haus zwar noch unverputzt, aber innen ist es quasi fertig. Erst einmal stand die Ausstattung mit moderner Technik im Vordergrund, so dass auch ordentlich heißes Wasser beim Duschen vorhanden ist. Es gibt mehrere Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer, alle mit Dusche und WC ausgestattet. Wer also mal Interesse hat bei Sigi zu übernachten und den Vorteil nutzen möchte auf Deutsch eine erste Einführung in Georgien zu bekommen, einfach uns eine Nachricht schicken. Wizzair fliegt seit letztem Jahr übrigens kostengünstig die Stadt Kutaisi an J

 

Übernachtung in Kobuleti am Camping Raul


Donnerstag, 1.06.2017

 

Wir haben wieder einmal gut geschlafen (erstaunlich wie viele gute Übernachtungsplätze wir schon hatten) und fahren zunächst nach Kutaisi. Ein Teil der Strecke ist bereits als Autobahn ausgebaut, allerdings noch nicht ganz fertig und so wird der Verkehr einspurig auf einer Seite der Autobahn entlang geführt. Es fühlt sich schon ein wenig merkwürdig an, wenn auf der Fahrbahn Hinweispfeile in die Gegenrichtung sind. Aber war so richtig.

 

In Kutaisi waren wir bereits im Oktober und fahren einfach nur als kleine Erinnerung an unseren Aufenthalt durch die Stadt. Bei unserem damaligen Hotel um die Ecke machen wir in einem kleinen Geschäft noch einen Großeinkauf und machen uns wieder auf den Weg zur „Autobahn“.  Der auf der Strecke nach Tblissi liegende Ricotti Pass lässt sich entweder oben rum oder durch einen Tunnel durchfahren. Wir nehmen mal den Pass, sind allerdings doch ein wenig enttäuscht. Die Aussicht ist nicht so spannend wie gedacht und seit es den Tunnel gibt, nimmt diesen wohl niemand mehr. Ein paar verlassene Gebäude stehen am Wegesrand und das war’s.

 

Im Kurort Borjomi hatten wir eigentlich überlegt mit der kleinen Schmalspurbahn hoch in die Berge zu fahren. Leider ist der Parkplatz oder auch die sonstigen Stellplätze an und im Ort nicht wirklich hübsch, so dass wir weiterfahren. Die Touri-Info war ansonsten super ausgestattet, englischsprachig und Stadtpläne gab’s. Der Glasquader ist quasi nicht zu übersehen, wenn man durch den Ort fährt.

 

Zudem ist das Wetter nicht das Beste heute und so begleiten uns ordentliche Regengüsse auf dem weiteren Weg Richtung Armenien. Bevor wir die Grenze passieren biegen wir noch rechts in ein Seitental ab um die dortige Höhlenstadt Vardzia zu besuchen. Die Regenmenge ist wirklich beeindruckend, ich steige nur an einer kleinen Ruine aus und habe den Eindruck der Regen fällt hier quasi waagerecht. Innerhalb weniger Minuten bin ich pitschepatsche nass.

 

Unterwegs

Zwischendurch machen wir, netterweise im Trockenen, einen kurzen Abstecher zum Green Monastery. Die Anfahrt ist etwas holprig und wir sind vor allen Dingen froh nur einen Transporter zu fahren, die Äste der Bäume hängen ganz schön tief. Durch eine enge Schlucht geht es keine zwei Kilometer hinauf und dann öffnet sich eine Lichtung mit dem kleinen Kloster. Sehr idyllisch gelegen und vermutlich nicht deswegen damals hier angelegt.

 

Green Monastery

An der Höhlenstadt Vardzia angekommen strahlt erst einmal ein Regenbogen am Himmel, bevor wir dann auch wirklich die Höhlenstadt am Fels gegenüber sehen. Wie hübsch!

 

Am Restaurant fragen wir ob wir übernachten dürfen. Klaro! Und so stehen wir schön auf dem hinteren Parkplatz mit Blick auf den ausgehöhlten Berg. Bezahlen brauchen wir nichts für den Stellplatz, gerne gehen wir aber dafür hier essen.

 

Unser super Übernachtungsplatz in Vardzia


Freitag, 2.06.2017

 

Genau zwei Wochen sind wir heute nun unterwegs und das erste Mal klingelt der Wecker. Unser Parkplatzwächter hatte uns gestern Abend angeboten, dass wir bereits zum Sonnenaufgang hoch in die Höhlenstadt könnten und das bedeutet um 6 Uhr aufstehen!

 

Ein Blick gen Himmel und eine leichte Enttäuschung macht sich breit. Es ist wolkig, aber mit bläulichen Abschnitten dazwischen. Bis ich oben bin (die anderen beiden schlafen natürlich weiter) werden die Wolken ja wohl weg sein. Und so klettere ich durch zahlreiche Höhlen, alles außen durch Geländer gesichert und die inneren Gänge gut beleuchtet und bin sehr erstaunt über die Größe dieser Anlage. Wirklich beeindruckend und auch ohne Sonnenschein sehenswert.

 

Nach rund zwei Stunden bin ich wieder zurück und siehe da, die Sonne blitzt einmal durch die Wolken. Gerade so lang, dass es für ein Foto reicht. Immerhin!

 

Besuch der Höhlenstadt Vardzia

Wir fahren wieder zurück zur Hauptstraße und folgen dieser bis zur Grenze nach Armenien. Hier liegt nun auch unser erster Abschnitt mit echt schlechten Straßenverhältnissen. Auch verändert sich die Bauweise der Häuser und es gibt hier oben Störche. Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet. Und dann ist sie auch schon da, die georgisch-armenische Grenze.

 

Fahrt zur Grenze

Grenze Georgien / Armenien

Die Abfertigung auf georgischer Seite geht sehr fix. Wir wollen ja auch nur ausreisen, das ist ja meistens der schnellere Grenzposten. Im Niemandsland angekommen steuern wir auf die große weiß-schwarze Abfertigungshalle zu und siehe da, das wird erst noch eine Grenzabfertigung. Einmal drumherum und hier sieht es ebenfalls noch nach Baustelle aus. Ein Stück weiter sehen wir dann aber die wohlbekannten LKW-Schlangen und fahren schön langsam an denen vorbei. Am ersten Häuschen ist die Passkontrolle und ein erster Blick wird ins Auto geworfen. Vanja kommt auch hier gut an und wir bekommen ein Lächeln der Beamten. Guter Hund! Kurz drauf stehen wir vor einem Schlagbaum, da hätten wir eigentlich vorher links parken sollen. Machen wir nun mal fix. Netterweise wird direkt ein englischsprechender Grenzbeamte per Handy herbeigerufen und so geht die Abwicklung eigentlich recht komplikationslos. Wir zahlen 41 US-Dollar Straßennutzungsgebühr und Ökoabgabe, die wir alternativ auch in Euro, georgischen Lari und armenischen Dram hätten bezahlen können. Kreditkarten werden hingegen nicht genommen. Und wir sind froh, dass wir das Wechselgeld direkt in Landeswährung ausgezahlt bekommen und somit nicht erst auf den ersten Bankomaten hoffen müssen. Dann übertragen der Grenzbeamte und ich gemeinsam unseren Fahrzeugschein irgendwie in die armenischen Zollformulare. Lediglich ein Sprinter mit vier eingetragenen Sitzplätzen sieht das System nicht vor, aber ein kurzer Blick ins Auto reicht aus um eine alternative Eintragungsmöglichkeit zu finden. Dann noch mit dem Zettel wieder nach Gegenüber zum Abstempeln und nach rund einer Stunde haben wir es geschafft. Wirklich eine super Grenzerfahrung!

 

Netterweise wird das Wetter auch besser und so bietet sich uns ein hübsches Panorama über grüne Wiesen und natürlich wie schon gewohnt Kühe. Vermutlich hätte die georgische Seite auch ein wenig attraktiver ausgesehen, wenn die Sonne geschienen hätte.

 

Im ersten Ort Ashtok kaufen wir uns beim unübersehbaren MTS Shop (linke Straßenseite) erst einmal eine SIM-Karte. Wir zahlen für die Prepaid-Karte 1000 Dram, also keine zwei Euro, und bekommen dazu eine englischsprachige Erklärung. Pro Tag sind maximal 500 MB Datenvolumen für 150 Dram (30 Euro-Cent) aktivierbar und wenn wir es richtig verstanden haben sind von den 1000 Dram nur 100 Dram für die SIM-Karte und der Rest Guthaben. Wie auch schon in Georgien sind wir erstaunt über die für uns sehr günstigen Tarife.

 

Erstes Ziel in Armenien ist das Kloster Marmashen. Erstaunt stellen wir fest, dass es Straßenschilder gibt welche auf touristische Attraktionen hinweisen. Die sehen allerdings ein wenig den Schilder mit der Warnung vor Speedcameras ähnlich, aber das macht ja nichts. Beides hilfreiche Hinweise. Ansonsten sieht es alles in allem hier auch ganz normal aus. Es gibt Tankstellen (meist Gas ab und zu aber auch mal Benzin & Diesel), die Straßen sind asphaltiert, lediglich die Schriftzeichen sind natürlich andere als im Nachbarland. Die hier sind auf den ersten Blick ein wenig eckiger, allerdings genau unleserlich für uns. Orte sind dafür aber auch wieder in lateinischen (oder auch mal in kyrrillischen) Buchstaben ausgeschildert. Und Geschäfte gibt's übrigens auch. 

 

Erste Kilometer in Armenien und Kloster Marmashen

Von dort geht es weiter Richtung Yerevan, der Hauptstadt von Armenien. Bevor wir allerdings in die Großstadt fahren, biegen wir noch zur Festung Amberd ab. Die Auffahrt sind, wenn ich mich recht erinnere, so um die 30 Kilometer und dies mehr oder weniger bergauf. Nicht ganz ideal aufgrund der Uhrzeit. Es ist schon nach 18 Uhr und eigentlich versuchen wir um diese Zeit bereits einen Stellplatz zu haben. Nun hoffen wir einfach, dass wir diesen oben finden und nicht wieder bergab müssen.

 

Je höher wir kommen, desto beeindruckender wird die Landschaft. Auf der einen Seite erhebt sich der in der Türkei liegende wolkenumhüllte Ararat, welcher bereits seit vielen Kilometern immer in unserem Blickfeld ist. Irgendwie hatten wir mit der Präsenz dieses Berges nicht so gerechnet!

 

Oben angekommen werden wir direkt freundlich begrüßt und der Herr erkennt sofort, dass wir bestimmt hier oben übernachten wollen. Im ersten Moment ist uns so etwas ja doch ein bissel suspekt und auch wenn Jens und ich uns eigentlich schon einig sind, dass wir hier bleiben gucken wir uns erst einmal ein bisschen um. Wie sich später herausstellt lebt unser „Parkplatzbegrüßer“ mit seiner Familie in den Sommermonaten hier oben und betreibt einen Imbiss und Souvenirstand. Und kümmert sich ansonsten noch um seine Kuhherde im Hinterland. Der selbstgemachte Käse schmeckt übrigens ebenso gut, wie der Salat und die sonstigen Kleinigkeiten die uns sofort angeboten werden. Die Kommunikation läuft in einem Gemisch aus Russisch und Englisch, jeder spricht hier ein bisschen von etwas. Der Priester in der Runde wohnt übrigens im grünen Bauwagen hinter uns, da schlafen wir bestimmt gut heute Nacht. Vanja wird ebenfalls freundlich begrüßt und es ist wieder einmal super, dass wir ihr so „depperte“ Dinge wie High Five beigebracht haben. Bezahlen brauchen wir übrigens nichts, dafür kaufen wir einfach mal einen Stapel Postkarten.

 

Übernachtung bei der Festung Amberd 


Samstag, 3.06.2017

 

Nachdem es ja gestern schon so gut mit dem frühen Aufstehen geklappt hat, versuchen wir dies heute gleich erneut. Die Wolken haben sich vollständig verzogen und obwohl es erst 7 Uhr ist, ist es draußen schon angenehm. Gestern Abend und heute Nacht war es doch ziemlich frisch aber wir sind ja auch immerhin auf 2200 m Höhe. Der Blick von hier oben ist wirklich traumhaft, besonders heut früh da sich der schnee-bedeckte Ararat am Horizont zeigt. 

 

Wir verabschieden uns von unser freundlichen Gastfamilie hier oben und machen uns auf den Weg ins Tal. Bergab nehmen wir die nach Osten zur M3 führende Landstraße und kommen kurz bevor wir die M3 erreichen an einem Denkmal für die armenische Schrift vorbei. Große steinerne Buchstaben stehen hier in Gruppen zusammen. 

 

Fahrt Richtung Yerevan

Auf dem Weg nach Jerewan / Yerevan kommen wir in Swartnoz (Wikipedia), auf englisch Zvartnots geschrieben, vorbei. Zentraler Punkt der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Ausgrabungsstätte ist die Ruine der Kathedrale, von der noch einige Bögen erhalten sind. Im kleinen Museum gibt es ein Modell wie diese vor ihrer Zerstörung ausgehen hat – sie muss schon sehr beeindruckend gewesen sein. Die Lage mit dem Ararat im Hintergrund gefällt uns.

 

Weiter geht es einmal quer durch Yerevan weiter Richtung Osten. Unser heutiger Übernachtungsplatz ist der Camping 3Gs in dem kleinen Ort Goght, der genau in der Mitte zwischen dem Tempel Garni und dem Kloster Geghard liegt (daher der Name mit den 3 Gs - Goght, Garni und Geghard). Der Tempel und das Kloster gehören zu den Attraktionen hier in der Gegend und dank der nahen Lage zur Hauptstadt sind sie auch entsprechend gut besucht.

 

Der Tempel von Garni (Wikipedia) wurde in den 1970er Jahre wieder aufgebaut und thront hier auf einer Ebene. Dazu passt irgendwie dass überall auf dem Ausstellungsgelände Lautsprecher aufgestellt sind und somit der Rundgang der Besucher musikalisch begleitet wird. Interessante Idee.

 

Das Kloster Geghard (Wikipedia) zeichnet sich durch seine besondere Lage in einer Schlucht aus und der Komplex besteht aus mehreren in den Fels gehauenen Felsenkirchen. Highlight in dem eher düsteren Inneren sind für die Besucher hier Lichtstrahlen welche gebündelt durch einzelne Öffnungen ins Innere fallen. Irgendwie scheint es wichtig zu sein, sich in so einem Lichtstrahl fotografieren zu lassen. Vielleicht bringt es ja eine Erleuchtung!?

 

Swardnoz, Garni und Geghard

 

Am Camping 3Gs in Goght angekommen sind wir baff erstaunt, was für ein Gelände sich hinter dem hohen Tor verbirgt. Ein ähnlicher „Waoh“-Effekt wie im bulgarischen Alexandrovo! Ausblick auf die Hügel und dazu noch ein Pool in der Mitte. Cool!

 

Sandra, die holländische Inhaberin des Campings mit angeschlossenem B&B, begrüßt uns sehr herzlich und wir dürfen unser Wohnmobil auf den gerade fertig gestellten, gepflasterten Womo-Platz stellen. Mit uns sind nun vier Fahrzeuge und einige Zeltgäste hier.

 

Und die zweite Überraschung des Tages lässt auch nicht lange auf sich warten, wir erkennen ein Fahrzeug wieder! Ein dunkelblauer VW Crafter aus NRW steht hier und Rolf ist auch nicht weit. Vor anderthalb Jahren hatten wir uns mal auf einem Fernreisemobil-treffen mit ihm verabredet um unsere Russlanderfahrung weiterzugeben und waren seitdem lose in Kontakt geblieben. Rolf ist ebenfalls unterwegs nach Usbekistan, allerdings über die Südroute d. h. durch den Iran und Turkmenistan. Hut ab, die Tour alleine zu machen. Rolf, wir drücken Dir ganz fest die Daumen für die Tour!

 

Wir verbringen einen netten Abend mit den anderen Reisenden hier. Zwei Pärchen sind übrigens gerade auf dem Rückweg aus dem Iran sind, eins plant wie wir Richtung Norden in den Kaukasus weiterzufahren und so gibt es genügend zu bequatschen.

 

Wer ebenfalls mal hier auf dem Camping übernachten möchte, hier die Webseite: http://www.campingarmenia.com/information-about-bb-3-gs/

 

Übernachtung auf dem Camping 3Gs in Goght


Tag 16 - Sonntag, 4.06.2017

 

Wir haben sehr gut geschlafen, verabschieden uns von allen hier am Platz und kommen bestimmt irgendwann mal wieder hierhin. Armenien gefällt uns momentan eh schon ausgesprochen gut und sind sehr froh diesen kleinen Schlenker von Georgien aus gemacht zu haben.

 

Unser erstes Tagesziel ist das Kloster Khor Virap, auch Chor Virap geschrieben (Wikipedia), welches im Westen direkt an der türkischen Grenze liegt. Wenn das Wetter mitspielt sieht man direkt hinter dem Kloster den Berg Ararat. Nachdem dieser heilige Berg inzwischen auf fremdem Staatsgebiet liegt, ist das kleine Kloster Khor Virap das ihm nächstgelegene und somit eine gut besuchte Anlage

 

Erst aber einmal putzen wir unser Auto in der nächsten Waschbox, die direkt an der Zufahrt vom Camping 3Gs zur Hauptstraße liegt. Es ist zwar nicht so wirklich notwendig, so staubig ist unser Wohnmobil noch gar nicht, aber wir nutzen diese Gelegenheit üblicherweise auch unseren Abwassertank zu entleeren. Und so machen wir uns frisch glänzend und einige Kilos leichter auf den Weg nach Khor Virap. Erst geht es durch hügelige, etwas karge Landschaft bis wir dann wieder in der Ebene sind, welche von Yerewan aus nach Süden führt.

 

In Khor Virap angekommen reiht sich auf dem Parkplatz ein PKW oder ein Bus an den anderen. Nachdem wir uns ja schon ein wenig gewundert haben, dass es doch sehr voll ist, fällt uns nun hier auf dass ja gerade Pfingsten ist. Das erklärt doch einiges!

 

Besuch von Khor Virap

 

Wir folgen weiter der gut ausgebauten Straße gen Süden und biegen nach rund 80 km in ein Seitental ab. Durch eine hohe Schlucht gelangen wir hier zum Kloster Norawank (Wikipedia). Das besondere hier ist die Hauptkirche mit mehreren Ebenen. Laut Wikipedia sollten es drei Ebenen sein, wovon ich allerdings nur zwei wahrgenommen habe. Dies bleibt allerdings auf jeden Fall in Erinnerung, sind doch diese beiden Ebenen nur über schmale Außentreppen miteinander verbunden. Und natürlich wollen hier alle einmal hoch und später wieder runter. Also einfach ein wenig Geduld haben und ruhig einfach mal Fotos mit anderen von sich machen lassen.

 

So wie Khor Virap quasi in Sichtweite der türkischen Grenze liegt, so befindet sich nur wenige Kilometer von Noravank die Grenze zur Autonomen Republik Nachitschewan, einer Exklave Aserbaidschans und von diesem durch einen ca. 50 km breiten Landstrich Armeniens getrennt ist. Ein wenig weiter nördlich gibt es noch eine deutlich kleinere Exklave Aserbaidschans, insofern gut aufpassen wo man hier so hinfährt. Das mit den jeweiligen Landesgrenzen ist hier doch deutlich schwieriger und vermutlich nicht allzu angenehm, wenn man diese nicht beachtet.

 

Von Norawank aus richten wir uns wieder gen Norden und lassen den Abstecher nach Tatev im Süden doch sein. Wir brauchen ja noch Ziele für unsere nächste Armenien-Reise.

 

Es geht bergauf bis hoch auf den Vardenyats Pass auf 2400 m Höhe. Hier genießen wir die Aussicht auf die grüne Bergwelt Armenien und besuchen die Caravanserei Orbelian (Wikipedia). Diese ist freizugänglich und vor allem stockdunkel im Inneren. Da kommt doch endlich mal meine extra für die Reise gekaufte Stirnlampe zum Einsatz.

 

Am Parkplatz gibt es noch einen kleinen Verkaufsstand, an dem ein älteres Ehepaar auf Touristen warten und allerlei Kleinigkeiten verkauft. Wir kommen schnell ins Gespräch und so erfahren wir dass sie hier versuchen ihre Rente aufzustocken. Nachdem wir uns durch die diversen Gläser Selbstgemachtes probiert haben, entscheiden wir uns für ein großes Glas Honig. Köstlich!

 

Über Khor Virap nach Norawank zur Caravanserei Orbelian

 

Unser nächstes Ziel ist nun der Sewan See. Dieser auf 1900 m gelegene See ist mit fast 80 km Länge der größte im ganzen Kaukasus. Als die Landstraße irgendwann relativ nah am Seeufer entlang führt, biegen wir einfach mal durch ein großes Metalltor gen Wasser ab. Hier werden anscheinend Picknickplätze und Hütten vermietet. Ideal für uns. Der Wachmann hingegen ist ein wenig skeptisch als er unser Wohnmobil sieht. Sein Chef, den er direkt anruft, ist allerdings geschäftstüchtiger und so bekommen wir einen Platz mitten auf einer Wiese (könnte Picknickhütte 20 oder 21 gewesen sein) zugewiesen. Na gut – 5 Euro für die Nacht erscheinen uns, im Vergleich zu 9 Euro beim Camping 3Gs mit Pool und allem drum und dran, ein wenig hoch gegriffen aber was soll’s. Wir stehen dafür super hier!

 

Übernachtung am Sewan See


Tag 17 - Montag, 5.06.2017

 

Gestern Abend ist unser Wachmann extra noch einmal zu einem Besuch zu uns gekommen. Ihm war wichtig, dass wir wissen dass am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang die Fischer zu ihren Booten kommen um raus auf den See zu fahren.

 

Vermutlich hätten wir uns in der Tat sonst ein wenig gewundert, dass um halb 4 Uhr ein Lada nach dem anderen an uns vorbei fährt. Prompt bin ich hellwach, schlüpfe in warme Klamotten und gucke den Fischern zu wie sie ihre Boote beladen, eines nach dem anderen ins Wasser schieben und laut knatternd losfahren. Dazu die über dem See aufgehende Morgensonne, welche eine Idylle!

 

Sonnenaufgang am Sewan See

 

Am Ufer des Sees liegen – wer hätte auch mit etwas anderem gerechnet – noch mehrere Klöster. Wir besuchen erst Hairavank und dann Sewenawank. Die Lage direkt am See ist wirklich hübsch und zumindest beim ersten sind wir alleine. Dort haben andere auch schon mal mit ihrem Wohnmobil übernachtet und somit wäre es wohl Plan B gewesen, wenn wir nicht unseren netten Fischerstrand entdeckt hätten. Die Kirche von Hairavank (Wikipedia) ist leider verschlossen, vielleicht sind wir noch ein wenig zu früh dran.

 

Das Kloster Sewanawank (Wikipedia) liegt auf einer Halbinsel am Nordufer des Sees und hier ist es schon deutlich touristischer. Auf dem Fußweg hoch zur Kirche wird gerade ein Souvenirstand neben dem anderen aufgebaut. Irgendwie haben wir mit so viel Tourismus in Armenien irgendwie nicht gerechnet, andererseits ist es bei so vielen Kulturgüter auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche auch nicht wirklich verwunderlich.

 

Besuch von Hairavank und Sewanawank

Vom Sewan See geht es nun immer weiter gen Norden wieder zurück nach Georgien. Wir wissen dass die Hauptverbindungsachse M6 nach Tbilissi gerade neu rekonstruiert wird und somit für zwei Jahre eigentlich eher nicht passierbar ist. Allerdings haben wir nicht so recht Lust wieder zurück zu unserem ersten Grenzübergang zu fahren, ein Kloster liegt ja auch noch auf unserer Strecke, und somit entscheiden wir uns einfach dafür die Route trotzdem zu nehmen. Irgendwie werden wir da schon durchkommen.

 

Und so kommt’s dann auch. Auf bestimmt vierzig Kilometern folgen wir einer arg geschotterten Piste. Zwischendurch geht’s leider nicht wirklich gerade aus weiter und wir folgen anderen Fahrzeugen links und rechts auf irgendwelchen Schleichwegen. Manche sind erfolgreich, andere nicht. Die Bauarbeiter scheinen es dabei auch nicht für allzu ungewöhnlich zu empfinden, dass irgendwelche Autos versuchen durch ihre Baustelle zu gelangen. Und irgendwie kommen wir dann doch durch. Bis auf diesen Abschnitt waren die Straßen in Armenien ansonsten wirklich ganz passabel und gut zu fahren!

 

Das Kloster Haghpat (Wikipedia) liegt wieder einmal oben in den Bergen und so geht es eine kurvige Landstraße wieder bergauf. Besonders gut gefällt mir hier der dahinter gelegene Friedhof, bei dem man einerseits mal einen Eindruck von armenischen Friedhöfen bekommt und andererseits auch einen hübschen Blick auf da Kloster hat.

 

Nun heißt es noch fix unsere Postkarten einstecken, denn es ist nicht mehr weit nach Georgien. Wir sind vermutlich die ersten Touristen, die hier auf die Idee kommen Briefmarken nach Deutschland kaufen zu wollen. Nach mehreren Telefongesprächen und Beratschlagung mit anderen Anwesenden halten wir nach guten zwanzig Minuten tatsächlich Briefmarken in der Hand. Ob die wohl dann auch ankommen?

 

Unterwegs auf Schotterpiste zum Kloster Haghpat

 

Der Grenzübergang von Armenien nach Georgien ist wieder unkompliziert, vielleicht eine Viertelstunde pro Seite. Auf der georgischen Seite wird erstmalig tatsächlich nicht nur Vanjas Heimtierausweis kontrolliert (und kopiert) sondern auch die Veterinärin kommt vorbei und guckt sich unseren Hund an.

 

Wir fahren weiter bis in die georgische Hauptstadt Tblissi und übernachten dort am etwas außerhalb gelegenen Lake Lisi, eines der Naherholungsgebiete für die Stadtbewohner. Kein wirklich spannender Parkplatz, laut und voll aber dafür um einiges kühler als in der Stadt.

 

Bye Bye Armenia - Welcome Georgia


Tag 18 - Dienstag, 6.06.2017

 

Zunächst einmal geht es ins 20 km entfernte Mzcheta (Wikipedia), auf englisch Mtskheta, welches vor ziemlich vielen Jahren mal die Hauptstadt Georgiens war. Der riesige Parkplatz zeugt davon, dass hier durchaus etliche Besucher kommen. Das Wahrzeichen des Orts die Swetizchoweli-Kathedrale (Wikipedia) ist in der Tat auch beeindruckend, sie ist die zweitgrößte Georgiens.

 

Besuch von Mzcheta

 

Wir folgen nun der historischen Georgischen Heerstraße, welche die Verbindungs-straße zwischen Georgien und Russland ist. Diese führt einmal quer durch die kaukasische Bergwelt und hier kann in höheren Lagen auch im Mai noch der Schnee fallen.

 

Bis zum Stausee Zhinvali ist der Verlauf der Straße allerdings noch recht unspektakulär. Hier am Stausee gucken wir uns noch kurz das Kloster Ananuri an und sehen einen orangefarbenen Bus mit Berliner Kennzeichen wieder, den wir vor einigen Wochen abends in Ungarn getroffen haben. Von den Insassen ist allerdings gerade niemand da, wir hätten ja gern einmal kurz Hallo gesagt.

 

Weiter geht es nun bergauf. Je höher wir kommen desto spektakulärer werden die Ausblicke auf die Berge. Über Serpentinen kommen wir dann nach Gudauri, dem Wintersportort in Georgien. Bestimmt ist hier im Winter gut etwas los, jetzt sieht alles eher verwaist aus und die meisten Hotels sind vermutlich eher geschlossen.

 

Kurz vor der Jvari-Passhöhe (Kreuzpass) auf fast 2400 m Höhe liegt auf der linken Straßenseite das Georgisch-Russische Freundschaftsdenkmal. Ein unübersehbares Monument, Anfang der 1980er Jahre erbaut. Bei Nebel oder schlechter Sicht könnte dies auch gut als Ufo durchgehen und dazu die hohen schneebedeckten Gipfel des Kaukasus ringsherum.

 

Georgische Heerstraße

Kurz bevor wir an unserem Tagesziel Stepanzminda ankommen sehen wir ein Straßenschild in den Ort Sno. Irgendwie gefällt uns der und so biegen wir kurzerhand ab. Wirklich viel Schnee gibt es in dem kleinen Ort nicht, dafür aber einen alten kaukasischen Wehrturm und einen wirklich kleinen Lebensmittelmarkt der uns ein leckeres Fladenbrot verkauft.

 

Abstecher nach Sno

In Stepanzminda, mit altem Namen auch Kasbegi genannt, angekommen suchen wir uns erst einmal einen Übernachtungsplatz. Der ein oder andere hat im Ort übernachtet, wir fragen einfach bei einem Biergarten direkt an der Landstraße kurz vor Ortsende ob wir in deren Hinterhof (laut Schild eine Waschanlage) übernachten dürfen. Klar, kein Problem.

 

Bekanntestes Ausflugsziel des Orts ist die Geregeti Dreifaltigkeitskirche, welche auf 2170 m Höhe oberhalb des Orts liegt. An eine Auffahrt mit dem eigenen Fahrzeug ist nicht zu denken (wir haben es versucht aber recht schnell aufgegeben) und somit stehen hier an der Straße ein Taxi neben dem anderen und wartet auf Touristen. Die Fahrt kostet 25 Euro und dauert inklusive entspanntem  Fotostopp oben gute zwei Stunden. Alternativ kann man natürlich auch zu Fuss hochlaufen!

 

Der Ausblick auf die kleine Kirche und die umliegenden Berge ist wirklich grandios und die schaukelige Fahrt wird in Erinnerung bleiben!

 

Besuch von Stepanzminda und Geregeti Dreifaltigkeitskirche


Damit haben wir nun unseren letzten Übernachtungsplatz in Georgien erreicht. Sowohl die Tour durch Georgien als auch unser Schlenker durch Armenien haben uns ausgesprochen gut gefallen. Es gab so viel zu sehen und dies mit einer halbwegs vorhandenen touristischen Infrastruktur. Sicherlich nicht an jeder Ecke ein Campingplatz, aber wir hatten keine wirklich großen Schwierigkeiten einen passenden Platz für die Nacht (Ausnahme Tblissi) zu finden.

 

Wir sind uns einig, diesen beiden Ländern statten wir irgendwann noch mal einen Besuch ab!

 

Falls ihr ebenfalls eine Tour nach Armenien und Georgien plant, könnt ihr uns gerne anschreiben und mit allerlei Fragen löchern.

 

Liebe Grüße

Jujuv


GPS Track - Armenien und Georgien



Mit ♥ für euch geschrieben