Kurztrip nach Kaliningrad

26.02.2012

 

Nachdem wir uns nun ja eine Woche gut in Österreich erholt haben, geht es nun doch noch mal nach Nordosten um ein kleines Fleckchen Russland zu erkunden, welches sonst nicht unbedingt auf unseren Reiserouten liegt. Und so setzen wir uns zwei Tage wieder ins Auto mit dem Ziel Kaliningrad. Zwischendurch übernachten wir einmal in Tschechien, in Ceska Skalice (irgendwann in unserem Leben waren wir hier auch schon mal, nur wir erinnern uns leider nicht mehr wann) und einmal in Polen, in Malbork. Hier gibt es einen netten kleinen Camping mit Blick auf die große Burg. 

 

Die Temperaturen haben sich deutlich abgekühlt und so ist nu dank des Regens auch wieder drinnen sitzen angesagt, macht aber nichts. Sommerhitze haben wir genug gehabt. Von Malbork aus fahren wir die ausgeschilderte Strecke Richtung russische Grenze. Wir sind gespannt, was dort uns diesmal erwartet. Noch vor ein paar Tagen hätte ich gesagt, bloss keine Grenzübergänge mehr. Ist doch schön dieses unbegrenzte Reisen! Ist es ja auch, aber auf der anderen Seite lockt wieder dieses nette Land um von uns entdeckt zu werden. 

 

Am Grenzübergang selbst ist nicht wirklich viel los und so blockieren wir glatt die Spur, weil ich gar nicht so schnell unsere Zettelchen ausgefüllt bekomme. Letztendlich ist es das übliche, erst Passkontrolle, dann Zollkontrolle und zu guter Letzt ein Blick ins Auto. Das Ganze dauert hier keine halbe Stunde und schon sind wir wieder in Russland! Wer hätte das gedacht! So richtig anders sieht es natürlich hier nicht aus, vielleicht etwas einsamer denn die Straße scheint irgendwann mal neu gebaut worden zu sein und somit liegen die Dörfer weit abseits. So richtig weit ist es aber auch nicht bis Kaliningrad. 

Vielleicht die Straße ist ein wenig schlechter als auf polnischer Seite

 

Ortseingang von Kaliningrad

 

Und auch hier ist natürlich Moskau schon ausgeschildert!

 

In der Stadt angekommen begrüssen uns erst mal wieder die typischen Plattenbauten und ordentliche Schlaglöcher im Asphalt. Also alles so wie auch etliche Kilometer weiter im Osten. Die Innenstadt ist dank Navi schnell gefunden und so fehlt nur noch ein passender Übernachtungsplatz. Gegenüber des Doms gibt es laut Reiseführer eine Touriinfo, die uns ja vielleicht weiterhilft. Unser Südeuropa-Schlenker hat allerdings dazu geführt, dass ich glatt verdrängt habe, dass nicht alles was in so Reiseführern steht auch so ist bzw. meine Erwartungshaltung war wohl wieder ein bisschen hoch. Kaum Parken wir an der "Honeybrücke", deren Brückengeländer wieder über und über mit kleinen Schlössern versehen ist, werden wir prompt angequatscht. Der erste möchte uns Postkarten, Stadtplan oder ne hübsche DVD über Kaliningrad verkaufen. Na gut, wir nehmen den Stadtplan. Der Nächste interessiert sich für unser Auto und macht gerade eine Bustour durch Kaliningrad. Und der Dritte, vermutlich schon vor ziemlich vielen Jahrzehnten geboren, versucht uns den geschichtlichen Hintergrund der Stadt näherzubringen. Wir verstehen zwar nur ein Drittel von dem was er uns erzählt, aber irgendwie ist es doch spannend. 

 

Das Viertel ("Fischerdorf")hier besteht aus drei mehrstöckigen neuen Häuserblocks mit zwei Hotels und mehreren Restaurants. Was Lonely Planet allerdings mit "Disneylandish" meint, keine Ahnung. Lediglich der Kontrast zu den ringsherum gelegenen, recht runtergekommenen Betonbauten ist auffallend. Das Infobüro entpuppt sich eher als Reisebüro und vermutlich wäre es einfacher gewesen eine Reise nach Tunesien oder China zu buchen, als Infos über die Stadt zu bekommen. Immerhin gibt es kleine Heftchen über die verschiedenen Orte der Kaliningrader Region zu kaufen, leider nur auf Russisch. Aber Bilder und nen Plan der Sehenswürdigkeiten hilft ja auch schon mal weiter. 

Nur nun fehlt immer noch ein Übernachtungsplatz. Das Hotel Baltica bietet wohl eine Art Wohnmobilstellplatz, liegt aber deutlich außerhalb, so dass wir uns dagegen entscheiden und einfach ein bisschen durch die Stadt kurven. Auf der anderen Seite des Kanals, also genau gegenüber des Fischdorfs, gibt es einen Bezahlparkplatz dessen Aufpasserin nichts dagegen hat, dass wir hier übernachten. Prima! Und so steht unser Indy schön hinter einem hohen Zaun, während wir drei zur Stadtbesichtigung aufbrechen. Es ist immer noch recht frisch, so dass Ceddy endlich keinen Hitzetod mehr erleidet wenn wir länger als ne Stunde spazieren gehen. Außerdem gibt es überall Parks und entlang der Sraßen überall Bäume, so dass sich die Stadt für einen Besuch mit Hund genau anbietet. 

Links der Dom, geradeaus das "Fischdorf" und rechts die alte Börse.

 

Das "Disneylandische" Fischdorf.

 

Die alte Börse, jetzt vermutliche eine Ausstellungshalle (am 1. Juli ist Katzenausstellung).

 

Blick auf den Dom, der jetzt ein Museum, ein Konzertsaal und zwei kleine Kapellen, eine evangelische und eine russisch-orthodoxe, beherbergt.

 

Und so schlendern wir durch die Straßen, entlang der beiden Kanäle erst mal Richtung Bernsteinmuseum. Es ist schon deutlich sichtbar, dass die meisten Häuserzeilen erst nach dem Krieg erbaut wurden und seitdem leider auch nicht mehr viel passiert ist. An der ein oder anderen Stelle wird aber neu gebaut oder die doch noch vereinzelt vorhandenen alten Gebäude saniert. Auf den ersten Blick also keine wirklich malerische Stadt, dafür aber mit dem lieb gewonnen Trubel auf der Straße. 

Mitten auf dem "Zentralplatz" befindet sich eine große Bauruine. Früher stand hier das Königsberger Schloss. Irgendwie schade.

 

In den gekauften Infoheftchen sind immer Abbildungen von früher und von heute im Vergleich gezeigt. 

 

Das Bernsteinmuseum befindet sich in einer alten Backsteinfestung und ist nett aufgebaut, sogar die Beschriftung der Exponate ist teilweise auf englisch oder auf deutsch und so gibt es einiges zu lernen über den Abbau des Bernsteins und die Weiterverarbeitung bis hin zu den zahlreichen Schmuckstücken, die sich daraus anfertigen lassen. Von dort aus geht es dann Richtung Zentralmarkt, den sich Jens dann anguckt während ich in einem kleinen Biergarten mit Ceddy warte. Hier gibt es auch mal wieder alles von A bis Z zu kaufen und so kommt Jens mit diversen Einkäufen wieder zurück. Danach statten wir dem Europa-Center, einem großem Shoppingparadies, noch einen kurzen Besuch ab, um dann wieder Richtung Wohnmobil zu laufen. Und so geht mal wieder ein Abend auf russischem Boden zu Ende.

 

Am nächsten Morgen ist es immer noch wolkenverhangen und nicht wirklich wärmer draußen, so dass wir unseren Stellplatz um eine Nacht verlängern und ein wenig shoppen gehen. 

 

Hier also noch ein paar Eindrücke von unserem zweiten Tag in Kaliningrad.

Noch einmal ein Blick aufs "Fischdorf" mit der Bauruine im Hintergrund.

 

Hauptsache die Blumen bleiben beim Umbau der Straße unbeschadet.

 

Am Straßenrand wird der Zustand leider nicht besser.

 

Das Brückengeländer ist über und über mit Schlössern behängt! Hoffentlich hat das allen das erhoffte Glück gebracht.

 

Scheinbar wurden die Mülleimer direkt mit Beschriftung importiert.

 

Lenin haben wir heute nicht gefunden, dafür aber die Dame auf dem Podest. Der Vogel ist allerdings nur temporär mit dabei.

 

Im U-Boot befindet sich das World Ocean Museum, welches wir allerdings diesmal nicht besichtigen.

 

 Da steht unser kleines Auto schön in der Ecke auf dem bewachten Parkplatz.


Donnerstag, 28.06.2012

 

Nun geht es aber weiter. Wir verlassen unseren netten Parkplatz und fahren in leichtem Zickzack-Kurs raus aus der Stadt. Die alten Gemäuer, die auf meiner ausgearbeiteten Route liegen sollen, finden wir natürlich nicht. Lediglich das Brandenburger Tor, welches wir einmal rein und einmal wieder raus fahren. Danach geht es ab aufs Land, wo es wieder mal viel Wiese, etwas Wald und ab und zu mal ein Dorf gibt. Und Störche gibt es hier überall. Die Häuser sind übrigens, anders als weiter im Osten, hier alle aus Stein gebaut. Also keine schick verzierten Holzhäuschen dabei.

Das Brandenburger Tor in Kaliningrad, hier dürfen Fahrzeuge durchfahren.

 

Wir fahren nach Jantarnij, ein kleiner Ort in dem der Bernstein in einem großen Tagebau abgebaut wird. Letzteren finden wir natürlich auch nicht, dafür aber eine Verkaufsstelle des Jantarnij Kombinats, wo es ein kleines Museum gibt. 

Ortseingang von Jantarnij

 

So richtig viele Touristen scheinen sich hier nicht hinzuverlaufen, denn die Verkäuferin des Schmuckshops drückt mir mein Ticket in die Hand und erzählt mir etwas von außen durch die Tür, dann weit geradeaus (glaub ich), dann in der vierten Etage irgendwo. So viel also dazu. Ich scheitere natürlich schon am Finden der Tür, denn draußen gibt es ein großes Kameraüberwachtes und mit dickem Stacheldrahtzaun gesichertes Tor, eine Tür zu einer Bank und mehr nicht. Ich habe eher den Eindruck, dass sich nebenan eine Kaserne befindet, denn die sind hier an jeder Ecke. Bis vor einiger Zeit gehörte wohl auch Jatarnij noch zu den für Ausländer geschlossenen Orten. Und so bin ich doch ein wenig skeptisch. Also ich wieder in den Laden rein und bitte erneut um die Wegbeschreibung. Ich komme mir ja doch ein wenig blöd vor, als sich die Nachbartür nicht als Eingang zu einer Bank entpuppt sondern doch die gesuchte Tür ist, neben der sich lediglich ein Geldautomat befindet. Drinnen wird mein Ticket kontrolliert und der junge Mann, tarnfarbend gekleidet, erklärt mir auch noch mal freundlichst den Weg. Beim Anblick der niedrigen Gebäude draußen ist nun meine Hoffnung einfach, dass irgendwann ein Gebäude mit mindestens vier Etagen auftaucht. Auf dem Weg dahin gibt es links und rechts einige alte Backsteinbauten, die aber alle schon ihre besten Zeiten hinter sich haben. Und dann kommt tatsächlich ein höherer Betonbau, der nach kurzem Nachzählen vier Etagen hat. Der Eingang ist allerdings durch eine große Baustelle versperrt, die Fassade bekommt eine Dämmung. Die beiden in der Sonne sitzenden Bauarbeiter zeigen mir aber, dass es auch noch einen Seiteneingang gibt. Glück gehabt! Hier drin scheint mir die Zeit auch ein wenig stehengeblieben. Ein einsames Drehkreuz im Treppenhaus weist daraufhin, dass es hier mal mehr Menschen gegeben haben muss. Mir ist bis auf den Kontrolleur und den beiden Bauarbeitern keiner begegnet. Dafür gibt es aber jetzt im Treppenhaus weiße Zettel mit der Aufschrift Museum, die nach oben weisen. Irgendwie trotzdem merkwürdig hier einfach so alleine rumzulaufen, aber irgendwie auch typisch. Oben angekommen, folge ich dem DINA4 Zettel durch einen dunklen Flur, wo ich am Ende Stimmen höre. Also doch nicht ganz alleine hier! Und so betrete ich dann tatsächlich das kleine Museum. Die Wände entlang steht ein Schaukasten neben dem anderen, genauso wie in der Mitte des Raums. Eine Gruppe von fünf Leuten steht vor einer großen Fototapete, und knipst fleißig ein kleines Mädchen welches mit Bernsteinketten behängt ist. Ich werde freudig begrüßt „Noch ein Besucher“ und eine ältere Frau kommt sofort auf mich zu und erklärt mir so etwas wie, dass sie erst noch mit den Anderen beschäftigt ist, sich dann aber gleich um mich kümmert. Und so gucke ich mir also die ausgestellten Schmuckstücke und Figuren an. Schön, was man alles so aus Bernstein machen kann. Es vergehen keine fünf Minuten und schon habe ich eine persönliche Führung durch die Ausstellung. Angefangen vom rohen Bernstein, hier öffnet die Museumsführerin die verschiedenen Vitrinen und gibt mir die verschiedenen Brocken in die Hand. Sie spricht ein wenig deutsch und so versuchen wir uns an einem Mix aus bisschen russisch und bisschen deutsch. Ein besonders großer Stein scheint irgendwie Glück zu bringen, also Stein ans Herz drücken, Augen schließen, über den Stein streicheln und sich etwas wünschen. Dann gucken wir uns die verschiedenen Insekteneinschlüsse an und danach die kleinen Figuren. Von Elefant über Schildkröte bis zum Fisch findet sich hier wohl jedes Tier irgendwo wieder. Ich finde Bernstein fühlt sich angenehm an, irgendwie weich und warm. An den Wänden hängen Fotos von früher und so versucht sie mir zu erzählen, was denn vor und was denn nach dem zweiten Weltkrieg geschehen ist. Irgendwo bei der Kindheit ihrer Mutter bleibe ich aber mit meinen Sprachkenntnissen leider hängen. Schade. Dafür aber wieder mal ein Ansporn die Sprache weiter zu lernen.

 

Das Museum ist zwar deutlich kleiner als das in Kaliningrad, dafür ist so eine persönliche Führung viel schöner und bleibt mir sicherlich im Gedächtnis. Irgendwie erinnert mich das an das kleine Glockenmuseum in Walday (zwischen Sankt Petersburg und Moskau), welches ich letztes Jahr besucht habe. Auch hier bekam ich eine tolle Einzelführung inklusive eines Crashkurses im Glockenspielen.

Schaukästen im Bernsteinmuseum des Jantarnij Kombinats

 

Der "Glücksbernstein".

 

Den Wunsch mich auch mit Bernsteinketten zu behängen, kann ich unerfüllt lassen.

 

Von Jantarnij aus geht es weiter nach Svetlogorsk. Die Straße führt durchs Landesinnere und leider nicht am Meer entlang. Im Ort angekommen müssen wir feststellen, dass dieser irgendwie verkehrsberuhigt ist und an allen Straßen Richtung Wasser ein großes Einfahrt verboten Schild hängt. Hmm, doof. Die einzige Straße ohne Schild endet für uns nach zwei Kilometern vor einer Eisenbahnbrücke, wo unser kleines Mobil leider nicht drunter durch passt. Na gut, dann halt nicht. Und so fahren wir halt weiter nach Selenogarsk. Hier wurde anscheinend vor nicht allzu langer Zeit eine schicke neue Landstraße gebaut, viel los ist allerdings nicht. Entweder sind wir nicht zur Hochsaison da oder aber hier wird noch ein deutlicher Zuwachs an Straßenverkehr angenommen. 

So sieht es ansonsten hier aus:

In Selenogarsk angekommen, stellen wir fest, dass auch hier sämtliche Straßen Richtung Meer gesperrt sind für den Verkehr. Also auch kein Parkplatz für uns. Und so sind wir prompt auf der kurische Nehrung, die direkt hinter Selenogarsk anfängt. Wir zahlen 300 Rubel Nationalparkgebühr, also umgerechnet 7,50 Euro. Und so folgen wir nun der Straße immer geradeaus durch dichten Wald, links und rechts muss sich irgendwo das Wasser verstecken. Auf einer Seite die Ostsee, auf der anderen Seite das kurische Haff. 

Im ersten Ort Lesnoje soll es laut Internet eine Ferienbasis mit Zeltplatz geben, finden wir natürlich nicht. Irgendwie haben wir uns ja schon daran gewöhnt, dass wir die Dinge die wir raussuchen alle nicht finden. Und so fahren wir halt weiter, auch das kennen wir nun ja schon zu genüge. Ribachij, der größte Ort der Insel, besteht schon aus deutlich mehr Häusern als Lesnoje, aber ist auch nicht wirklich groß. Aber einen kleinen Supermarkt, namens Kooperator, gibt es. So langsam wird es natürlich auch wieder spät. Auch das kommt uns irgendwie bekannt vor. Zum nächsten Dorf, Morskoje, biegen wir gar nicht mehr ab. Wir haben die Hoffnung aufgegeben hier etwas passendes zu finden und fahren lieber direkt Richtung litauische Grenze, denn dahinter lockt zumindest ein Campingplatz.

Die Grenze ist ähnlich leer, wie die polnisch-russische und so vergehen auch hier keine dreißig Minuten bis wir in Litauen sind. Bei der Fahrzeugkontrolle gebe ich dem Zollbeamten noch einen Crashkurs deutsch und so lernen wir mal eben Fenster, Tür, Bad, Schrank etc. Mal etwas anderes an einer Grenze. Dafür reduzieren sich langsam die Türen, die noch nicht von einem Grenzbeamten geöffnet. Von meiner Liste kann ich nach dieser Grenze schon mal den Kühlschrank streichen und außen die Klappe zu unserer Toilettenbox. Ich bin mal gespannt, was letztendlich nach all den Grenzen noch übrig bleibt.

Willkommen in Litauen.

 

In Nida angekommen, keine fünf Minuten hinter dem Grenzübergang, checken wir sofort auf dem Camping ein. Voll ist es hier, zahlreiche deutsche Wohnmobile haben den weiten Weg hierhin gefunden. Der Platz ist sehr nett, größtenteils mit Kiefern bepflanzt und so finden wir schnell eine passende Parkbox. Nur günstig ist etwas anderes, hier hat nun halt die Hochsaison schon angefangen. Trotzdem ist es schön hier. Und so grillen wir unser russisches Schaschlik halt nun auf litauischem Boden. Schmeckt auch hier sehr lecker. 

 

So und nu sind wir wieder in touristischer Gegend angekommen und so passiert vermutlich erst mal wieder nicht allzu spannendes. Wir erkunden morgen erst mal die Umgebung hier und dann schauen wir mal wie es auf unserer Reise weitergeht.


Über Polen zurück

29.06.2012

 

Heute steht nun also ein Tag Erholung auf dem Programm und so machen wir nicht allzu viel. Über die großen Dünen laufen wir in den Ort, Ceddy darf natürlich ordentlich schwimmen gehen und wir bekommen leckeren Fisch in einer der zahlreichen Kneipen zu essen. Ich statte zwischendurch dem kleinen Dorfmuseum noch einen Besuch ab, hier wurde eines der alten Fischerhäuser restauriert und so kann man sich die typische Einrichtung von vor zig Jahrzehnten angucken. Ich bin überrascht, dass es sich um eine Doppelhaushälfte handelt, scheinbar gab es das damals auch schon. Draußen im Garten stehen zahlreiche, bunt bemalte Holzwimpel die früher auf den Masten der Fischerboote angebracht waren und damit deren Zugehörigkeit zu den verschiedenen Orten zeigen.

Schöner Spazierweg quer durch den Wald Richtung Nida

Eigenartig gewachsener Baum im Wald. Im russischen Teil der Kurischen Nehrung soll es einen ganzen Wald davon geben („Tanzender Wald“). Leider haben wir auf der Fahrt den passenden Abzweig dahin verpasst, aber dafür gibt es hier auch das ein oder andere Exemplar.

 Wann kommt endlich der Stock?

 Abkühlendes „Stockretten“ im Kurischen Haff

 Das Dorfmuseum von Nida

Ein bunter Holzwimpel, der eigentlich auf den Mast eines Fischerboots gehört.

 

Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück auf unserem Camping und da die beiden Herren müde sind, gehe ich noch eine Runde an die Ostsee. Die Kurische Nehrung ist hier in Nida nicht wirklich breit, so dass sich das Wasser sowohl am Haff als auch auf der Ostseeseite genießen kann. Der Strand scheint endlos und ist erstaunlich leer, sehr angenehm und so laufe ich einfach mal Richtung Russland.

Das Wasser der Ostsee ist echt kalt und kein Vergleich zum Mittelmeer oder Schwarzen Meer. Es kostet mich also einige Überwindung mich in das kühle Nass zu stürzen. Nach einigen doch recht kurzen Bahnen hin und her, lege ich mich doch lieber wieder auf den feinen Sandstrand und genieße den Blick auf das Wasser.

 Ostseestrand auf der Kurischen Nehrung 

Zurück auf dem Camping beobachten wir erst mal unsere Nachbarn, die alle fleißig dabei sind ihre Satellitenschüsseln auszurichten. Es scheint mit all den Bäumen gar nicht so einfach zu sein einen guten Empfang zu bekommen. Dieser ist heute aber wohl für dem ein oder anderen echt wichtig, denn das EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien steht abends an. Wir sind zwar nicht ganz so Fußball interessiert, trotzdem lassen wir auch mal den Sendersuchlauf unseres DVBT-Empfängers laufen. Ein paar litauische Sender gibt es tatsächlich, Frage ist nur auf welchem wird das Spiel übertragen. Ein kurzer Blick ins Internet hilft nicht so recht weiter, also lassen wir uns überraschen. Und wenn’s keiner von den Vieren überträgt, ist’s ja auch nicht so wild. Alternativ könnten wir auch im Restaurant des Campings gucken, aber da sind schon alle Plätze, von denen man halbwegs gut gucken kann, reserviert. Im Moment ist es auch eher interessanter unseren Nachbarn zu zugucken wie sie ihre Satellitenschüsseln immer wieder neu ausrichten.

 

Mit dem ein oder anderem kommen wir ins Gespräch, zum Beispiel einem jungen, englischen Pärchen, die mit ihrem kleinen Seat Inca (vergleichbar zum Beispiel zu dem früheren Renault R4F6 oder einem VW Caddy) auf dem Weg nach China sind. Wir sind doch ein wenig neidisch, denn wir haben ja den spannenden Teil unserer Tour nun hinter uns. Etwas irritiert sind wir lediglich als sie uns erzählen, dass sie nicht durch Russland fahren. Prinzipiell muss man das ja auch nicht, es geht ja auch anders. Erscheint uns aber doch als eine besondere Herausforderung. Da liegen ja doch etliche Länder auf der Strecke, die vielleicht nicht ganz so einfach zu durchfahren sind. Aber die Beiden haben ja auch ein ganzes Jahr Zeit, also wird das schon irgendwie klappen. Wir verteilen wieder Kugelschreiber und Feuerzeug und hoffen früher oder später von den ihnen zu hören.

 

Auch die beiden schräg gegenüber stehenden Hamburger träumen mal von einer längeren Tour und reisen zur Vorbereitung gerne zu den uns ebenfalls gut bekannten Wohnmobiltreffen wie zum Beispiel zu Kerkamm nach Elmshorn oder zum Caravan Salon nach Düsseldorf um den dortigen Reisevorträgen über ferne Länder zu lauschen. Die beiden haben zwei schicke Klappräder dabei, die doch um einiges professioneller als unser Kleines aussehen. Und es ist nicht nur das Aussehen, sondern nach einer kurzen Probefahrt sind Jens und ich uns einig, dass wir mal nach diesen Modellen gucken. Unser kostengünstiges Exemplar war für unsere Tour und für einen ersten Test, ob wir das Rad überhaupt nutzen, sicherlich genau richtig aber damit es richtig Spaß macht, sollten wir doch ein paar Euros mehr ausgeben. Aber es muss gar nicht so viel sein, wie manch Fahrradverkäufer meint.

 

Um viertel vor 10 wirkt dann der Campingplatz richtig ausgestorben, denn die einen haben sich zum Fußballgucken ins Auto verkrochen und die anderen haben sich einen der Plätze in der Kneipe gesichert. Wir stellen fest, dass tatsächlich einer der per DVBT empfangbaren Sendern das Spiel überträgt aber das Rauschen des Bilds ist so stark, dass wir nicht unterscheiden können, wer denn nun die Deutschen und wer die Italiener sind. Erst als das erste Tor für Italien fällt, wissen wir zumindest in welche Richtung wer spielt. Ist aber auch nicht wirklich schlimm, wir können auch drauf verzichten, außerdem scheint es ja auch nicht so ein tolles Spiel gewesen zu sein.


Samstag, 30.06.2012

 

Heute Morgen wollen wir weiter und hatten eigentlich geplant nach Norden Richtung Kleipeda zu fahren, dort mit der Fähre die Nehrung verlassen und dann auf der anderen Seite am kurischen Haff entlang wieder gen Süden zu fahren. Ich hatte mir schon die ein oder andere touristische Attraktion auf der Strecke rausgesucht. Dummerweise haben wir dann auf unserer Campingkarte festgestellt, dass auf dem ausgewählten Campingplatz keine Hunde erlaubt sind. Beziehungsweise nicht wir haben das festgestellt, sondern unsere Hamburger Nachbarn, die die gleiche Idee hatten und ebenfalls zu den Hundebesitzern gehören. Für mich sah das Symbol auf der Karte so aus, als ob Hunde an der Leine erlaubt wären. Bei genauerem Hingucken, war das aber wohl doch eher ein Strich durch den Hund. Schade! Aber so ist das halt in Europa.

 

Und so ändern wir kurzerhand unsere Routenplanung, fahren wieder die paar Kilometer zurück nach Russland, um dann weiter an die polnische Ostseeküste zu fahren. Die Schlange an der Grenze ist in unsere Richtung echt kurz, genau drei Autos warten vor uns. Ganz im Gegensatz dazu die Gegenrichtung. Hier warten die Autos mehrspurig auf ihre Abfertigung. So richtig schnell geht es aber auch bei uns nicht voran. Merkwürdig! Scheinbar gibt es Probleme bei der Passkontrolle der zahlreichen Insassen des Transporters vor uns. Und so warten wir erst mal, das können wir ja inzwischen gut. Letztendlich stellt sich heraus, dass zwei deutsch Mitfahrer versuchen wollten mit einem nicht gültigen Visum einzureisen. Irgendwann wird der Transporter zur Seite gefahren so dass wir endlich an der Reihe sind. Die Kontrolle selbst ist dann wieder schnell, unsere Reisepässe bekommen wieder die nächsten Stempel, doch dann kommt doch noch eine Frage der Beamtin. Natürlich bei Jens, der mich dann schnell zum Übersetzen holt. Irgendetwas stimmt mit seinem mongolischen Visum nicht. So richtig verstehe ich das nun aber auch nicht, schließlich stehen wir an einer russischen Grenze und nicht an einer mongolischen. Letztendlich stellt sich aber heraus, dass sie einfach nur wissen wollte, was es mit dem kleinen Zettel auf sich hat, der auf der anderen Seite des mongolischen Visums eingetackert ist. Mit meiner Antwort, dass es sich um die Quittung handelt (glaub ich zumindest), dürfen wir wieder zurück zum Auto und weiter zur Fahrzeugkontrolle. Keine Ahnung warum die Passkontrolleurin das wissen wollte, aber wir haben ja auch an andere Stelle schon Fragen beantwortet, die nicht wirklich etwas mit unserer Einreise zu tun hatten.

 

Weiter geht’s zur Fahrzeugkontrolle. Erst mal wieder das DINA4 Blatt der Zollerklärung abgegeben. Hier fragt mich dann der Grenzbeamte über unseren Hund Löcher in den Bauch. Auch das geht inzwischen ganz gut auf Russisch. Die Beamten scheinen hier echt entspannt zu sein und so sitzen wir kurz drauf wieder in unserem Auto. Am Schlagbaum zahlen wir wieder den Eintritt für den Nationalpark und schon sind wir wieder in Russland unterwegs. In die Gegenrichtung stehen echt viele Autos, die nach Litauen einreisen wollen. Vielleicht ist heute Beginn der Sommerferien oder aber die Russen machen einen Wochenendausflug ins Nachbarland. Wir freuen uns, dass wir Glück gehabt haben und nicht im Stau stehen müssen.

 

Nachdem wir nun die Strecke ja gerade erst vor ein paar Tagen gefahren sind, weiß ich nun noch genau an welcher Stelle der Abzweig zum tanzenden Wald kommt und so verpassen wir diesen nicht noch einmal. Der kleine Weg im Wald besteht quasi nur aus Schlaglöchern und so erreichen wir heftig schaukelnd und durchgerüttelt den Parkplatz. Wir sind eindeutig wieder in Russland. Der Parkplatz selbst ist rappelvoll. Glücklicherweise ist noch genau eine Lücke für uns frei und so schließe ich mich den zahlreichen anderen Touristen auf dem Weg in den Wald an. Irgendwie bin ich mitten in einer russischen Reisegruppe gelandet, es hilft aber leider nicht viel dem Touristenführer zu zuhören. Warum die Bäume nun so gewachsen sind wie sie sind, verstehe ich leider nicht. Da werde ich wohl später mal Wikipedia oder ähnliches befragen. Es sieht auf jeden Fall irgendwie witzig aus, so viele schief gewachsene Bäume nebeneinander zu sehen. Manche sind nur ein wenig gebogen, aber bei manchen ist der Stamm sogar fast im Kreis gewachsen.

 

Informationstafel über den tanzenden Wald

Als Nächstes steht dann das Nationalparkmuseum auf dem Programm. Kurz bevor wir dort ankommen, geht erst mal ein ordentlicher Sturzregen über uns nieder so dass ich mir nicht sicher bin ob ich mir wirklich das Museum im Wald angucken möchte. Aber so schnell wie der Regen gekommen ist, verzieht er sich auch wieder. Auch hier steht ein Auto neben dem anderen auf dem Parkplatz, so dass wir Indy einfach am Straßenrand parken. Bis zum Museum läuft man rund zehn Minuten durch den Wald. Am Wegesrand stehen überall Schilder auf denen die dort wachsenden Bäume erklärt sind. Leider nur auf Russisch. Auf dem Gelände angekommen laufe ich zunächst einmal bis zum Haff und versuche auf dem Wasser oder im Schilf irgendwelche Vögel zu entdecken. Scheinbar aber alle gerade nicht da oder versteckt. Da gucke ich mir doch lieber das Hirschgehege an, wo die beiden Bewohner gerade eine große Schüssel mit allerlei Knabberkrams hingestellt bekommen haben und fleißig fressen.

Bewohner des Freilichtmuseums

 

Als es wieder anfängt zu tröpfeln gehe ich doch lieber ins Museum, welches in einem etwas in die Jahre gekommenen, zweigeschossigem Betonbau untergebracht ist. Die Dame am Eingang fragt mich irgendetwas und ich zeige schnell meine Eintrittskarte vor. Scheinbar war das aber nicht die gewünschte Reaktion. Schnell kommt eine zweite Museumsmitarbeiterin dazu, die mir auf Englisch erklärt dass sie jeden Besucher fragen, woher er kommt und wie er von dem Museum erfahren hat. Klar kenne ich solche Fragen von anderen Museumsbesuchen oder sei es auch nur beim Bezahlen an irgendeiner Supermarktkasse zu Hause, aber hier bin ich etwas verblüfft. Bei meiner Herkunft reicht aber schon Deutschland, die Stadt ist da nicht mehr so wichtig. Dummerweise habe ich nicht gefragt, wie viele ihre Besucher denn aus Deutschland kommen, hätte mich mal interessiert.

 

Im Erdgeschoss des Museums gibt es eine Abteilung zur Entstehung der Nehrung und eine über die Natur und deren Bewohner. Oben gibt es dann eine Fotoausstellung über Flugversuche mit verschiedenen Flugzeugen, die vor vielen Jahren hier auf der Nehrung stattgefunden haben. Außerdem sind noch typische Einrichtungsgegenstände und eine Küche der früheren hauptsächlich vom Fischfang lebenden Bewohner der Nehrung ausgestellt. Erinnert mich sehr an das kleine Heimatmuseum in Nida. Manche Erklärungsschilder der ausgestellten Dinge sind sogar auf Deutsch, leider nicht alle. Trotzdem ist das Museum einen Besuch wert um mehr über Dinge zu erfahren, die man halt typischerweise beim Durchfahren des Nationalparks nicht zu Gesicht bekommt.

 

In der Nachbarschaft des Museums befindet sich zum Beispiel die Vogelstation Fringilla, die hier mit einigen Schautafeln vorgestellt wird. In großen Fangnetzen werden dort Vögel gefangen, anschließend vermessen und beringt so dass dadurch das Flugverhalten von Zugvögeln studiert werden kann.

 

Auf einem Schaubild sind die Flugstrecken von der Kurischen Nehrung aus gezeigt.

 

Und siehe da unsere Heimatstadt Münster steht ebenfalls auf dem Schaubild. Allerdings kommen die Zugvögel wohl nur aus Hannover zu uns.

 

Auf dem Museumsgelände befindet sich dann noch in einem Holzgebäude eine Ausstellung verschiedener Holzfiguren. Hier hat gerade eine Führung begonnen hat, leider verstehe ich kein Wort. Glücklicherweise treffe ich die englischsprechende Frau aus dem ersten Museum wieder, die mir netterweise einiges übersetzt. Die rund einen Meter hohen Figuren sind also alle aus unterschiedlichem Holz geschnitzt. Um welches Holz es sich handelt, ist bei jeder Figur irgendwo symbolisch dargestellt. Also einfach mal gucken, ob man irgendwo ein hölzernes Ahornblatt, Eicheln oder Kirschen entdeckt.

Nationalparkmuseum in dem Holzskulpturen ausgestellt sind 

 

Zurück am Auto fahren wir weiter bis in den nächsten Ort, kaufen wieder im kleinen Supermarkt ein, werfen unsere litauischen Postkarten in den Briefkasten (natürlich mit russischen Briefmarken) und kommen mal wieder mit ein paar Passanten ins Gespräch. Schade, dass sich hier auch auf dem Rückweg kein passender Übernachtungsplatz bietet. 

Im ersten Dorf auf der Nehrung versuchen wir noch mal unser Glück, angeblich soll es hier ja einen Campingplatz geben. Durch Zufall sehen wir hinter einer Mauer einen Wohnwagen und siehe da an der Seite gibt es auch ein kleines Schild „Tourbasa“. Sollten wir doch ein nettes Übernachtungsplätzchen hier entdeckt haben? 

Die enge Zufahrt liegt genau auf der anderen Seite, so dass ich entlang der Mauer einmal um das Grundstück herumgehe. Ein etwas dicklicher Golden Retriever begleitet mich laut bellend und gibt es Ruhe als ich ihn doch endlich streichle. Der Platz sieht auf den ersten Blick genau passend aus, eine große Wiese und diverse Hütten. Und scheinbar hat das Ganze auch geöffnet, denn zahlreiche Autos parken am Rand. Ich suche erst mal jemanden den ich fragen kann, ob wir uns mit unserem Wohnmobil dazustellen dürfen. In einem Gebäude in der einen Grundstücksecke finde ich eine junge Frau, die gerade den Flur putzt. Sie spricht ein paar Brocken englisch und es tut ihr echt leid, aber wir können hier nicht übernachten. Aber ein Stück die Straße weiter, gibt es einen Parkplatz da könnten wir uns hinstellen. Den hatten wir auch schon gesehen, da standen auch ein paar Wohnwagen aber das Ganze hat uns nicht wirklich gefallen. 

 

Und so geht’s halt weiter und wieder raus aus dem Nationalpark, vor dessen Schranke sich in Gegenrichtung wieder ein ordentlicher Stau gebildet hat. Irgendetwas muss heute wirklich anders als vor zwei Tagen sein. Gleiches gilt für die parkenden Autos ab Straßenrand. War hier auf dem Hinweg einfach nur ein Grünstreifen, steht nun ein Auto hinter dem Anderen. Dass überall absolute Halteverbotsschilder stehen, scheint keinen zu interessieren.

 

 

 

Über die neugebaute Landstraße haben wir Kaliningrad schnell erreicht, queren einmal die Stadt und fahren nun die kleinere Landstraße nahe der Ostsee Richtung Polen. Kurz vor der Grenze tanken wir noch einmal voll und so stehen wir nur wenige Stunden nach der Einreise nach Russland wieder zur Ausreise an. Wir hatten schon ein wenig Sorge, dass sich hier auch ein ordentlicher Stau nach Polen gebildet hat. Dies war aber völlig unbegründet und so bekommen wir kurz drauf schon die letzten russischen Stempel unseres Urlaubs in den Pass. Schnief. Das war es dann wohl erst mal für eine längere Zeit, frühestens nächstes Jahr werden wir wohl wieder nach Russland fahren. 

 

Die Einreise in die EU läuft auch hier wieder problemlos, lediglich unsere Fahrgestellnummer im Motorraum wird diesmal kontrolliert. Inzwischen ist es doch wieder recht spät geworden, so dass wir nicht mehr so weit fahren wollen. Da wir nicht wieder in Malbork übernachten wollen, fahren wir nach Stegna. Hier soll es zumindest einen Campingplatz geben. Als wir im Ort ankommen sind wir etwas irritiert dass hier die Hölle los ist. Tourismus pur. Eine Kneipe neben der anderen, überall Pensionen und Kiosks. Anstatt einer Minitrain kommen uns  kleine Golfwägelchen entgegen, die Touristen vom Strand zurück in den Ort bringen.

 

Der angesteuerte Campingplatz Nr. 159 ist schnell gefunden und glücklicherweise hat dieser noch einen Platz frei für uns. Während ich erst mal in Ruhe ankommen möchte, geht sich Jens die Umgebung angucken. Mit Ceddy an den Strand zu gehen ist wohl hier etwas ungünstig, denn auch dort ist es trotz Abendstunde immer noch rappelvoll. Also muss unser Hund wohl oder übel auf den Ausflug verzichten. In den nächsten Tagen finden wir aber bestimmt noch eine passende Stelle für ihn. Und so gehen wir in den Biergarten nebenan und essen lecker Pizza. Ceddy bekommt ein paar Pizzaränder und ist somit auch wieder zufrieden.

 

Nachdem das Wetter ja im restlichen Tagesverlauf wieder ganz angenehm geworden ist fängt es nachts ordentlich an zu gewittern und der ein oder andere Platzregen prasselt auf das Womo-Dach. Ceddy, der inzwischen eine ausgeprägte Gewitter-Phobie entwickelt hat, möchte am liebsten zu uns ins Bett kriechen. Geht aber glücklicherweise nicht, dafür schlafen wir einfach zu hoch. Aber so ein lautstark fiepender und auf wenigen Quadratmetern immer hin und her wandernder Hund, ist auch nicht wirklich förderlich zum Schlafen. Letztendlich scheint der Fußraum des Beifahrers ausreichend Schutz vor den bösen Himmelsmächten zu bieten. Allerdings auch nur für wenige Minuten. Kurz drauf steht er wieder vor unserem Bett und streckt die Nase nach oben. 


Sonntag, 01.07.2012

 

Ich weiß nicht genau, wie lang dieses nächtliche Theater angedauert hat aber ich musste heute erst mal länger schlafen, Ceddy passenderweise aber auch. Immerhin scheint heute früh wieder die Sonne und so können unsere Stühle erst mal im Sonnenschein trocknen. Die haben wir gestern Abend irgendwie nicht mehr eingepackt. Hierbei zeigt sich eindeutig der Vorteil von Jens neuem Faltstuhl italienischer Bauart. Denn dieser hat anstatt einer durchgehenden Sitzfläche dort ein Netz eingenäht, so dass das nächtliche Wasser sich dort nicht zu einer großen Pfütze sammeln konnte. Meinen kann ich hingegen erst mal ausleeren bevor ich ihn in die Sonne stelle.

 

Heute wollen wir nach Danzig und uns die Stadt angucken. Bereits vor ein paar Jahren waren wir mal dort, sind allerdings in ein absolutes Verkehrschaos geraten um nach stundenlangen im Stau stehen festzustellen dass der Wohnmobilstellplatz leider gerade bebaut wird. Die Lust die Stadt anzugucken war mir dann irgendwie vergangen. Und so freue ich mich, dass wir wieder hier sind. Die EM ist ja heute Abend zu Ende und das Finale findet in Kiew statt, so dass es hoffentlich kein Verkehrschaos in der Stadt gibt.

 

In Danzig angekommen stellen wir fest, dass der neue Wohnmobilstellplatz nicht weit vom alten entfernt liegt. Auf dem umzäunten Gelände einer Musikhochschule dürfen Wohnmobile parken. Es ist zwar nun kein reiner Womostellplatz mehr, sondern ein Parkplatz für alle, aber es gibt große Schatten spendende Bäume und eine große Wiese in der Mitte. Das Thermometer zeigt schon über 30°C, so dass eine Stadtbesichtigung mit Ceddy keinen Sinn ergibt. Und so bleiben Jens und Ceddy im Schatten während ich mich auf Touri-Tour begebe.

 

Die Stadt ist schick, richtig schön herausgeputzt und natürlich sind hier jede Menge Touristen unterwegs.

Ich versuche den Touristenmassen auszuweichen und schlendere so durch die kleineren Gassen abseits vom Gewusel. Besonders gut gefallen mir die alten Giebelhäuser, auf denen oben die unterschiedlichsten Skulpturen stehen unter anderem ist auch eine Schildkröte dabei (ul. Swietego Ducha).

In einer der großen Backsteinkirchen gibt es die Möglichkeit den Kirchturm zu besteigen und sich die Stadt von oben anzugucken. Und so möchte ich nur kurz der alten Dame an der Kirchturmkasse meine fünf Zloty in die Hand drücken, aber eine ältere, deutsche Touristen versucht sie gerade in eine ausgiebige Diskussion zu verwickeln. Nur ohne gemeinsame Sprache klappt das nicht so recht, ich habe allerdings gerade keine Lust mich einzumischen. Und so richtig verstehe ich auch nicht worüber sich die Touristin beschweren will, nur dass sie echt aufgebracht ist, ist nicht zu übersehen. Als sie merkt dass sie wohl durch lautstarkes Einreden sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch auf die alte Dame nicht weiterkommt, sucht sie sich einen Touristen aus der Menschenmenge der sowohl deutsch als auch polnisch spricht. Ganz schöner Aufwand für ihr Anliegen. Und ich stehe immer noch geduldig mit meinen fünf Zlotys in der Hand und warte. In der Kirche ist es gerade angenehm kühl, so dass die ungeplante Pause eigentlich ganz angenehm ist. Der junge Herr versucht nun irgendwie zu übersetzen und so erfahre ich, dass man oben von der Kirchturmplattform angeblich nichts sieht und dass es doch unten ein Schild geben müsste, dass man von oben nichts sieht. Interessante Idee. Ich frage mich jetzt allerdings, warum es hier die Möglichkeit gibt 400 Stufen nach oben zu laufen um dann nichts zu sehen. Ist die Motivation der Turmbesteiger etwa nur sportlicher Ehrgeiz? Dafür ist mir gerade immer noch viel zu heiß, aber dafür bin ich jetzt neugierig, was ich denn nun oben sehe oder halt nicht sehe. Netterweise nimmt mir die ältere Dame hinter der Kasse irgendwann meine Münzen aus der Hand. Ich habe den Eindruck sie ist froh, sich aus der Diskussion zurückzuziehen. Und ich bin froh, der für mich immer wieder als typisch deutsch empfundenen Beschwerdevorliebe nicht weiter lauschen zu müssen.

 

Und so geht’s erstmal eine kleine Wendeltreppe nach oben. Ich habe wohl die Außentemperaturen (oder meine Kondition) deutlich unterschätzt und bin sehr froh, dass ich vorher noch eine Flasche Wasser gekauft habe. Das Stufenzählen zur Ablenkung habe ich innerhalb kürzester Zeit aufgegeben und konzentriere mich darauf Schritt für Schritt weiterzugehen. Scheinbar sind auch andere beim Stufenzählen durcheinandergekommen und so ist in regelmäßigem Abstand die schon geschaffte Stufenanzahl auf den Boden geschrieben. Nachdem die Wendeltreppe geschafft ist, befindet man sich auf Höhe des Kirchdachs und so geht es jetzt eine angenehm breite Treppe im Inneren des Kirchturms nach oben. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es dann endlich geschafft und die Stufe 400 überschritten.

Dann sind es nur noch ein paar Stufen bis auf die Aussichts- (oder vielleicht auch Nichtaussichts)-Plattform. Die Spannung steigt ... und siehe da, ich sehe die Altstadt von oben. Allerdings bin ich viel zu kaputt um den Blick wirklich genießen zu können und merke dabei leider auch nicht, dass ich die Belichtungszeit meiner Kamera nicht der plötzlichen Helligkeit hier oben angepasst habe und so sind alle Bilder unscharf. Dumm gelaufen. Aber auch auf einem unscharfen Bild lässt sich erkennen, dass das Stufensteigen mit einer schönen Aussicht über die Stadt belohnt wird.

Allerdings weiß ich hier oben auch, was die sich beschwerende Touristin wohl meinte. Die Besucherplattform ist zwischen den Kirchtürmen eingelassen, so dass für kleinere Menschen freie Sicht halt nur Richtung Altstadt ist. Hier ist dann vielleicht ein wenig Kreativität gefragt. Die nebenstehende Familie hebt ihre Kinder einfach ein wenig in die Höhe, damit diese auch in die anderen Richtungen gucken können.

 

Nach diesem doch recht anstrengenden Ausflug nach oben, schlendere ich gemütlich zurück zu unserem Stellplatz und bin erst mal froh mich einfach nur im Gras sitzend ausruhen zu können. Die Stadt selbst hat mir echt gut gefallen, lediglich die Temperaturen haben uns einen kleinen Strich durch unsere Pläne gemacht. Wir kommen also bestimmt irgendwann noch mal wieder hierhin. 

 

Jetzt wollen wir aber weiter, irgendwo ans Wasser. Und so folgen wir der überfüllten Hauptstraße, fahren einmal quer durch Gdynia immer weiter Richtung Ostsee. Am Abzweig zur Halbinsel Hel überlegen wir kurz dorthin abzubiegen, entscheiden uns aber dagegen und folgen der Straße Richtung Westen. Die Landstraße führt leider nicht direkt die Ostsee entlang sondern deutlich entfernt im Hinterland. Da wir aber gerne einen Abendspaziergang am Strand machen möchten, biegen wir ab zum Badeort Leba. Diesen haben wir noch von unseren verschiedenen Osteuropa-Touren in guter Erinnerung. In Leba angekommen stehen gleich mehrere Campingplätze zur Auswahl. Um etwas Neues auszuprobieren wählen wir Camping Lesny Nr. 51. Wie auch schon im Ort ist hier gut was los, aber immer noch genug freie Fläche auf der großen Wiese. Wir bekommen einen netten Platz am Rand zugewiesen, neben uns ein großer, schattenspendender Baum. Sehr angenehm

 

Zum Strand ist es auch nicht weit, die kleine Straße runter, durch den Kiefernwald und schon stehen wir am schönen Sandstrand. Glücklicherweise ist es aufgrund der späten Nachmittagszeit nicht mehr allzu voll und so darf Ceddy direkt ins Wasser.

Oberhalb des Strands steht ein großes, altes Gebäude mit zwei Türmchen. Bestimmt ein Hotel, denn am Strandzugang des Hauses gibt es eine große Holzterrasse. Ich stelle es mir sehr gemütlich vor, bei stürmischer See dort in einem lauschigen Zimmer zu sitzen und auf das Wasser zu gucken. Später stellen wir fest, dass es sich bei dem Gebäude um das Hotel Neptun handelt, welches auch noch einen schicken Swimmingpool im Garten hat. Wenn wir jetzt nicht mit unserem Womo unterwegs wären, würde ich ja doch gerne hier übernachten. 

 

Wir folgen dem Strandzugang an dessen Rand zahlreiche Buden zum Konsum einladen bis zur Hauptstraße. Auch hier kann man fleißig einkaufen oder sich in einem der zahlreichen Restaurants niederlassen. Voll ist es, vermutlich sind alle Touristen nach dem Strandtag jetzt hier unterwegs. Wir finden aber noch ein gemütliches Plätzchen in einem der Straßenlokale und genießen ein kaltes Bier. Hier ist es anscheinend gerade hipp sein Bier mit einem roten Sirup zu trinken und so teste ich das gleich mal. Irgendwie lecker, aber doch sehr süß. Später werden überall die Fernseher zurecht gerückt. Heute findet das Endspiel der Fussball EM in Kiew statt, Spanien gegen Italien. Irgendwie haben wir bisher ja reichlich wenig von der Europameisterschaft mitbekommen und so räumen wir freiwillig unsere guten Plätze am Fernseher und überlassen diese Anderen. 


Montag, 02.07.2012

 

Heute Morgen scheint wieder schön die Sonne und da es uns hier gut gefällt, bleiben wir einfach noch einen Tag. Kaum zu glauben, dass jetzt tatsächlich die letzte Woche unserer Reise angebrochen ist. Heute in einer Woche dürfen wir wieder arbeiten gehen, irgendwie eine sehr unrealistische Vorstellung.

 

Und so verbringen wir den heutigen Tag mit ausgiebigem Nichtstun, ein wenig spazieren gehen, in der Sonne rumliegen (ich hole mir prompt den ersten Sonnenbrand auf dieser Reise, lesen, schreiben und so weiter. 

 

Abends möchte ich zum Sonnenuntergang gerne an den Strand, denn gestern Abend hat sich ein spektakulärer rosa Wölckchen-Himmel über uns gezeigt. Wir saßen allerdings gerade beim Essen und so hoffe ich dass es heute Abend ähnlich aussieht. Mit Kamera und Stativ mache ich mich frühzeitig auf den Weg zur Ostsee, tja, siehe da Wolken sind da, aber von der Sonne ist nicht viel zu sehen. Geschweige denn dass es irgendwie malerisch rosa über mir wird. Wenn man genau hinguckt, dann ist am Horizont ein ganz leichter rosafarbener Streifen zu sehen, das war es dann aber auch schon.

Na ja, man kann ja nicht immer Glück haben und scheinbar war so ein geplanter Ausflug mit Kamera und Stativ zu viel für die Sonne, so dass sie sich lieber sehr unscheinbar verdrückt hat.

 

 Das Hotel Neptun mit seinen beiden Türmchen im Dunkeln.


Dienstag, 03.07.2012

 

Rund 900 km sind es noch bis nach Hause, ganz schön nah schon und bei den hiesigen Straßenverhältnissen durchaus in einer Tagesetappe machbar. Aber wir wollen ja entspannt zu Haus ankommen und da wir auch ein bisschen langweilig geworden sind, fahren wir nach Swinoujscie (Swinemünde). Auch hier waren wir schon das ein oder andere Mal, kennen den Camping (sofern er noch da ist) und den Ort. Swinoujscie liegt auf dem polnischen Teil der Insel Usedom und so dürfen wir erst mal wieder Fähre fahren. Irgendwie hatten wir die Fährüberfahrt ganz vergessen und sind etwas irritiert als unser Navi uns anzeigt, dass der Fähranleger in wenigen Metern erreicht ist. Und prompt stehen wir auch schon am Ende einer Autoschlange. So richtig können wir das nicht glauben und reihen uns mal nicht ein sondern fahren erst mal langsam weiter. Da der ein oder andere Fahrzeugführer sich wohl die Wartezeit mit Kaffeeholen vertreibt, stockt die Schlange beim Auffahren auf die Fähre und wir bekommen die nette Gelegenheit uns ein wenig vorzudrängeln. Und dann sind wir auch noch ein verhältnismäßig großes Auto und so werden wir raus gewunken und dürfen direkt auf die nächste Fähre in die Transporter-Schlange.

Die Überfahrt dauert nicht wirklich lange, ist netterweise auch noch kostenlos und so sind wir kurz drauf auch schon in Swinoujscie angekommen. Anstatt Richtung Camping abzubiegen fahren wir erst mal nach Ahlbeck. Siebenundsechzig Tage nach Reisebeginn sind wir wieder in Deutschland. Ich hatte mir den Moment irgendwie etwas spektakulärer vorgestellt. Jetzt war es eher, wir fahren zur nächsten Tankstelle, kaufen deutsche Zeitungen und Zeitschriften, Tabak, Fisherman’s Friend und fahren schnell wieder auf die polnische Seite.

 

Der Campingplatz ist schnell gefunden und netterweise existiert er immer noch. In den letzten Jahren hat in Swinoujscie der große Bauboom begonnen und so werden ein Hotelkomplex nach dem Anderen bzw. Ferienwohnungen im Akkord gebaut. Der früher am Ortsrand gelegene, nicht wirklich moderne Camping ist nun von Neubauten umgeben so dass wir uns fragen, wie lange es wohl noch dauert bis ein Investor das nicht wirklich kleine Gelände neu bebaut. Dieses Jahr ist es zumindest noch nicht der Fall und so checken wir ein, stellen uns auf einen der Plätze mit kleinem Zaun am Rand und machen uns direkt auf den Weg zum Strand.

Zum Hundestrand ist es noch ein ganzes Stückchen zu laufen und unsere Abkürzung auf kleinen Trampelpfaden durch den Wald und die Dünen endet zwar oberhalb des Strands aber natürlich an einem großen Zaun. Da wir aber scheinbar nicht die ersten sind, die den Weg genommen haben, finden wir schnell eine Stelle das Hindernis zu überwinden oder eher zu „unterwinden“. Ceddys Ungeduld am Zaun, er passte ja schon vorher untendrunter durch, mündet in einem ausgiebigen Bad in der Ostsee, auch wenn wir natürlich nicht am offiziellen Hundestrand gelandet sind. Aber es gibt genug andere Hunde die hier auch ins Wasser gehen. Und somit ist unser Vierbeiner glücklich und zufrieden und vor allem hundemüde als wir ihn später alleine lassen um Essen zu gehen. An der Strandpromenade gibt es zahlreiche Restaurants und Imbissbuden, so dass wir schon Entscheidungsschwierigkeiten bekommen. Und so gucken wir einfach, was die verschiedenen Anbieter auf ihren Grills gerade zubereiten und wählen dann natürlich das Lokal mit der größten Schaschlikauswahl. 

 

Gute Nacht aus Swinoujscie! JuJuC


Mittwoch, 04.07.2012 

 

So, das Ende unserer Reise ist nun noch einen Tag näher gerückt und die deutsche Grenze direkt um die Ecke. Jetzt sind es nur noch gute 600 km bis Münster. Wir könnten also heute schon ohne größere Anstrengung nach Hause fahren. Doch da liegt ja glatt Travemünde auf der Strecke, der Ort wo das Ganze hier begonnen hat und so entscheiden wir kurzer Hand dort die letzte Nacht unserer Reise zu verbringen.

 

In Travemünde angekommen steuern wir den Wohnmobilstellplatz am Fischerhafen an, der in Sichtweite zum Skandinavienkai, dem Fährhafen von Travemünde, liegt. Wir wollen natürlich Fähren gucken. Der Platz ist nett angelegt und glücklicherweise nicht voll, sonst wäre es echt eng. Nur in der ersten Reihe mit Blick auf die Fischer- und Segelboote stehen die Wohnmobile dicht an dicht. So etwas sind wir nach unserer Tour gar nicht mehr gewöhnt, außerdem sehen wir den Aufpreis für diesen Bereich des Platzes nicht ein und so stellen wir uns einfach ein paar Meter weiter, wo noch ausreichend Fläche ist. 

 

Die im Internet kritisierten Platzregeln sind unserer Meinung nach zwar recht viele, aber nicht wirklich einschränkend. Da war wohl noch keiner am Lago di Bolsena und hatte vier verschieden farbige Müllbeutel am Womo hängen um seinen Müll ordnungsgemäß zu trennen und dann auch noch zu festgelegten Uhrzeiten zu entsorgen.

Unser Stellplatz am Fischereihafen.

 

Und so schlendern wir die Uferpromenade entlang, essen lecker Fisch in einer der zahlreichen Kneipen und checken im Internet wann welche Fähre von Finnlines ein- bzw. ausläuft. Das Auslaufen unserer Fähre nach Helsinki ist uns doch ein wenig zu spät in der Nacht, aber die muss ja auch vorher irgendwie in Travemünde ankommen.

 

Am Strand sieht man sie schon von Weitem, ein unrealistisch großer Koloss der da langsam auf dem Wasser näher kommt.

Und so richtig schnell ist das Schiff wirklich nicht, den wir haben genug Zeit gemütlich zurück zu schlendern und in einem Biergarten Platz zu nehmen bis die Fähre in der Hafeneinfahrt eintrifft. Und groß ist die Fähre wirklich, bisher waren wir ihr ja nie so nah gekommen sondern haben entweder am Skandinavienkai in deutlicher Entfernung gewartet oder aber sind in Helsinki zügig von ihr weggefahren.

 

Und da kommt die Fähre aus Helsinki!

Ein wenig wehmütig sind wir nun schon, jetzt ist unsere Traumtour tatsächlich vorbei. Vielleicht auch etwas mehr als „wenig“ ...

 

Jujuc


Donnerstag, 05.07.2012

 

Heute geht es nun endgültig nach Hause. Zwar könnten wir noch hierbleiben, es sind ja noch vier Tage bis Arbeitsbeginn, aber irgendwie ist jetzt die Luft raus. So viele Gedanken gehen durch den Kopf. Irgendwie ging die Zeit doch gefühlt schnell vorbei, auch wenn wir unglaubliche neunundsechzig Tage unterwegs waren. Merkwürdig und vermutlich brauchen wir auch noch eine ganze Zeit um wieder anzukommen!

 

Den Weg findet Indy quasi von alleine und so sind wir dann tatsächlich wieder zu Haus. Hier steht alles noch, die Autobahnabfahrt, das Ortsschild, unsere Straße sieht unverändert aus, auch die bekannten Nachbarautos, lediglich in unserem eh schon sehr naturbelassenen Garten zeigt sich unsere lange Abwesenheit. Eine Kolonie Brenneseln hat sich hier ausgebreitet und auch ansonsten ist alles ziemlich gewachsen. So eine Wohnung ist übrigens ganz schön groß im Vergleich zum Wohnmobil. Ein sehr ungewohntes Raumgefühl! 

 

Wir kommen jetzt erst mal an! Vielen Dank für’s Lesen, Mailen und an uns Denken! Liebe Grüße JuJuC

 

Wir kommen der Heimat näher ... 

 

... und noch näher ... 

 ... und dann sind wir auch schon da! 

 

 Naturbelassener Garten:


Mit ♥ für euch geschrieben